Deutschlandlauf

Mein Vorhaben: Deutschland vom nördlichsten zum südlichsten Punkt ohne Unterstützung von außen möglichst schnell zu durchqueren. Es sollte kein Survivaltrip a la Nehberg werden, sondern ich wollte so oft wie möglich laufen und dabei meine gesamt Ausrüstung und Verpflegung auf einem umgebauten Fahrradanhänger mit mir ziehen. Übernachtet wird im Minizelt da wo es gerade passt. In der Form hatte das noch keiner gemacht.

Das Gewicht des Anhängers betrug beim Start satte 25 kg. Da es im Norden der Republik herrlich flach ist, kam ich prima mit langsamen Laufen voran. Später, südlich von Hannover war an Anstiegen nicht an Laufen zu denken. Dafür schob der Anhänger aber bergab, was sich aber durch das ungleichmäßige Ruckeln als eher hinderlich erwies. Dennoch konnte ich gut die Hälfte der Strecke lim Laufen zurücklegen.

Auf Sylt ist Oberstdorf am Ende der Welt

Als ich am Ellenbogen auf Sylt, dem nördlichsten Zipfel der Republik, stand schien mir mein Ziel Oberstdorf bzw. das Haldenwanger Eck 17km südlich, außerhalb des Universums zu liegen. Ich hatte möchtig Respekt vor der mehr als 1000km langen Strecke die da vor mir lag. Und ich sollte Recht behalten. Die ersten 10 Tage hatte ich mit stürmischem, regnerischen Wetter und für Anfang/Mitte Mai kühlen Temperaturen zu kämpfen. Wäre ich doch besser im in diesem Jahr außergewöhnlich warmen und sonnigen April los. Anfangs haderte ich, doch dann fügte ich mich in mein „Wetterschicksal“. Trotz Regenbekleidung wurde ich tagsüber total durchnässt. Der einzige trockene Platz war im Schlafsack im Zelt.  Aber störrich wie ein Esel kroch ich morgens, nach dem ich mein Müsli runtergewiürgt hatte, in meine nassen Klamotten, packte meine Sachen zusammen und lief einfach los…ohne über mein Tun groß nachzudenken bzw. es in Frage zu stellen. Die Fähigkeit Unangenehmes auszuhalten, habe ich mir über die Jahre antrainiert. Ich hadere nicht, sondern nehme es in dem Moment einfach an wie es ist. Ich weiß es gehört zum Gesamtpaket dazu und bringt mich meinem Ziel wieder ein Stück näher.

Ich kam gut voran, schaffte mein tägliches Pensum. Hatte aber immer wieder mit technischen Pannen unterwegs zu Kämpfen. Laufstockbruch, GPS-Totalausfall, Handyladekabel verloren usw. Außerdem machten mir Knieproblemen und eine Oberschenkelmuskelverhärtung zu schaffen. Ich lebte von Tag zu Tag. Freute mich schon morgens auf das königliche gefriergetrocknete Abednmenü. So alle 4 Tage hatte ich mir einen Meilenstein gesetzt….die Überfahrt auf der Alster, dann Hannover, Göttingen, der Mainübergang bei Kitzingen. Riesig freute ich mich auf die Überquerung der A8 Stuttgart-München, war sie für mich das eigentliche Tor zum Süden. Auch auf den Autofahrten nach Oberstdorf.
Ich kam mir vor wie eine Schnecke, obwohl ich exakt im Zeitplan lag. Dann endlich…nach 17 Tagen konnte ich in der Ferne die Alpen im Dunst erkennen. Die Glücksgefühle in diesem Moment, als ich den Grünten, den Wächter des Allgäus, erblickte, kann ich mit Worten nicht beschreiben. Mein Ziel Oberstdorf hat für mich eine besondere Bedeutung. Ich habe dort geheiratet, unzählige Kurzurlaube und meinen schwersten Unfall, einen Skiunfall mit Oberschenkelhalsfraktur gehabt.
Am 24. erreichte ich mein ersehntes Ziel Oberstdorf. Ich habe die Strecke von  1123 in nur 19 Tagen geschafft. Die letzten 17km zum Ende des Rappachtals waren nur noch ein Zugabe und hatten keine Bedeutung mehr für mich.