So weit die Füße Tragen

Vom Abenteuer und Extremlaufen

Ein Journalist schrieb einmal über mich “ Der 1000-Kilometer-Mann – Distanzen, die andere im Wettkamp zurücklegen läuft Hieronimus im Training.“

Laufveranstaltungen interessieren mich nicht besonders. Das ist mir zu viel Event und zu durchgestylt. Ich bin ein begeisteter Einzelläufer, quasi der Einzelgänger unter den Extremläufern. Ich liebe es alleine unterwegs zu sein und dabei mein eigenes Ding zu machen…über Tage, über Wochen oder Monate. Marathons oder kürzere Ultraläufe dienen mir höchsten zur Abwechslung in der Trainingsphase.

Ich bewundere Triathleten und Ultraläufer die einen Tag lang alles geben, am Limit unterwegs sind und dabei noch Top-Zeiten laufen. Ich könnte das nicht und für mich ist das auch nichts, denn es passt nicht zu mir.

Mein Weg ist ein anderer und den habe ich nicht nur gefunden, sondern beschreite ihn schon seit vielen Jahren.

Mein Weg…

Mein Weg ist der längere und unbequemere Weg. Der Weg, der von Unsicherheiten, Risiken und dem Unbekannten geprägt ist. Mein Weg ist ein Weg, der mir über einen längeren Zeitraum alles abverlangt und mich über Tage und Wochen zu meinem Ziel führt. Ich liebe es wenn mir am Morgen die Eiskristalle der Zeltwand ins Gesicht rieseln,  und ich nach einem dürftigen Frühstück den einzigen warmen Platz, meinen Schlafsack, verlassen muss, um in die nassen Klamotten vom Vortag zu schlüpfen.

Ich liebe es wenn dir der Verstand sagt „Bleib doch einfach noch eine Weile liegen“, ich jedoch – diese Verführung ignorierend – stur den mir selbst gesetzten Regeln ohne Wenn und Aber folge, auch wenn die Rahmenbedingungen noch so unwirtlich sind. Ich liebe es einfach weiterzulaufen, obwohl jeder Muskel meines Körpers aufschreit und nach Regeneration verlangt. Ich liebe es, die Möglichkeit des Scheiterns als täglichen Begleiter akzeptieren zu müssen, obwohl ich natürlich viel lieber mein Ziel erreichen möchte. Ich liebe es, wenn in einer scheinbar ausweglosen Situation alle Ampeln auf Rot stehen, doch noch einen Weg, eine Lösung zu finden.

Laufen im Expeditionsstil

Laufen ist eine tolle Sache. Ich bin schon immer gerne gelaufen. Schon als Jugendlicher. Laufen war die einzige Sportart, die mich in der Schule wirklich interessiert hat. Aber das Laufen ist nur eine Möglichkeit des herausfordernden Unterwegsseins. Ich laufe mit Begeisterung, aber es ist nicht meine Leidenschaft. Es ist allgemein das Unterwegssein, das Durchqueren eines bestimmten Gebietes, einer Wüste, einer Eisfläche oder das Folgen eines Flußlaufs, das Umrunden eines markanten Punktes, was mich fasziniert. Die Art der Fortbewegung ist dabei zweitrangig. Im Gegenteil, ich liebe diesbezüglich den Kontrast.

„Laufen ist für mich nicht Leidenschaft, nicht Selbstzweck, nein es ist für mich nur eine mögliche Form des abenteuerlichen Unterwegsseins“

Andere Fortbewegungsarten haben für mich einen ebenso großen Reiz, unterwegs mit dem Faltboot, mit Ski und Pulka, mit Schneeschuhen, mit dem selbstgebauten Floss oder einfach nur zu Fuß und dabei völlig auf sich alleine gestellt. Es ist das Abenteuer des Unterwegsseins in den unterschiedlichsten wilden und unwirtlichen Landschaften unserer wunderschönen Erde was mich fasziniert. Dabei haben es mir insbesondere Wüsten angetan.

Lernen fürs Leben oder die Freiheit aufzubrechen wohin ich will

Ich laufe nicht für die Medien, ich laufe nicht für andere, ich laufe nicht für Sponsoren, nein…ich bin nur unterwegs weil es mir gut tut, mich glücklich und zufrieden macht!! Ich bin, zumindest was das Unterwegssein anbetrifft, ein gnadenloser Egoist! Und das ist gut so! Ich habe viel durch meine abenteuerlichen Unternehmungen gelernt…über mich, über andere und über das Leben. Wertvollere Erkenntnisse, als ich je durch ein Studium, Seminar oder sonstige Ausbildung gewonnen habe.

Ich habe mit meiner mentalen Leistungsfähigkeit experimentiert und vieles ausprobiert. Ich bin dabei an meine Grenzen gestoßen, aber häufig darüber hinaus gegangen. Mal habe ich gelacht, mal geweint, mal war ich euphorisch, mal depremiert. Häufig war ich Sieger, manchmal bin ich gescheitert, gewonnen aber habe ich dabei immer. Vermeintliche Niederlagen wurden zum wertvollen Lehrmeister, und brenzlige Situation, in denen ich um mein Leben gekämpft habe, zeigten mir, zu welchen unglaublichen Leistungen der Mensch fähig ist, wenn er nur unbedingt möchte.

Warum ich das tue?

Keine Frage wird mir so häufig gestellt, wie die Frage nach dem Warum. Meine Standardantwort darauf ist: „Weil es mich glücklich macht“. Zwar merke ich, dass mein Gegenüber mit dieser Antwort meist nicht so recht zufriedengestellt ist, aber erfahrungsgemäß hakt kaum einer nach. Ich denke die meisten meiner Gesprächspartner erkennen sehr schnell, dass die Frage nach dem „Warum“ für mich absolut unwichtig ist.

Ganz sicher ist, dass ich niemand etwas beweisen möchte, selbst mir nicht. Dann hätte ich daran keine rechte Freude. Vielleicht ist die Sehnsucht nach einsamen, weiten und unwirtlichen Regionen unserer Erde vorprogrammiert, wenn man in einem der wildesten Landstrichen Deutschlands – der Eifel – aufwächst. Auf jeden Fall faszinierten mich die Helden und Entdecker von damals, die großen Abenteuer im Eis, auf den Weltmeeren, die Gipfelstürmer, Wüstengänger und die Glückssucher in der Wildnis des Nordens schon in früher Jugend. Ich verschlang regelrecht ihre spannenden Abenteuerberichte und selbst verbrachte ich jede freie Minute in den heimischen Wäldern. Eine besondere Faszination übte auf mich die deutsche Verfilmung des Romans „So weit die Füße tragen“. Dieser Film weckte meine Leidenschaft für Eis, Schnee und Kälte.

In der Folge wurden meine postpubertären Exkursionen und Reisen immer ausgedehnter und führten mich zunehmend in die entlegensten Winkel unserer Erde. Meine Abenteuerlust bezog sich schon immer auf ganz unterschiedliche Landschaftstypen und den Reiz fremder Kulturen. Es sind einfach die wilden, gleichförmigen und extremen Landschaften, die schon immer eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt haben. Egal ob Wasser, Schnee und Eis, Wüsten oder Wälder.