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	<title>Abenteuer &amp; Expeditionen Archive - Stefan Hieronimus</title>
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	<description>Führen am Limit: Mentale Stärke, Emotionale Souveränität, Energiemanagement und Team Toughness</description>
	<lastBuildDate>Wed, 13 Mar 2024 08:01:54 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Abenteuer &amp; Expeditionen Archive - Stefan Hieronimus</title>
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		<title>Ultramarathon Wüste Gobi: 1000km alleine durch Hitze, Stürme und Kälte</title>
		<link>https://hieronimus.com/wueste-gobi-ultramarathon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 08:01:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Wüste Gobi gehört zu den unwirtlichsten Landstrichen dieser Erde. Schon als Kind habe ich Sven Hedins “Durch Asiens Wüsten” regelrecht verschlungen. Für mich stand bereits damals fest: irgendwann werde auch ich durch die Wüste Gobi gehen. Dass es dann gleich ein Lauf werden sollte, habe ich damals noch nicht geahnt. Doch jetzt 2014, war [&#8230;]</p>
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<p class="has-drop-cap">Die Wüste Gobi gehört zu den unwirtlichsten Landstrichen dieser Erde. Schon als Kind habe ich Sven Hedins “Durch Asiens Wüsten” regelrecht verschlungen. Für mich stand bereits damals fest: irgendwann werde auch ich durch die Wüste Gobi gehen. Dass es dann gleich ein Lauf werden sollte, habe ich damals noch nicht geahnt. Doch jetzt 2014, war es so weit. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, als erster Mensch eintausend Kilometer durch das Herz dieser faszinierenden Wüste zu laufen…und das in nur 15 Tagen. </p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_1.jpg" alt="Lauf durch die Wüste Gobi" class="wp-image-1784"/><figcaption>Unendliche Weite</figcaption></figure></div>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein tollkühnes Lauf-Abenteuer bekommt ein Gesicht</h2>



<p>Stürmische Winde, Temperaturschwankungen von über 40 Grad, faszinierende Landschaften und ursprünglich lebende Nomaden… das ist das kontrastreiche Gesicht der Wüste Gobi.</p>



<p>Als ob das nicht schon herausfordernd genug wäre, sollte auch die Art meiner Fortbewegung eine Besondere sein. Zunächst war ich diesbezüglich unschlüssig. Was ich auf keinen Fall wollte, war es Reinhold Messner gleich zu tun. Dieser hatte immer mal wieder eine Etappe auf dem Rücken eines Pferds, auf dem Sozius eines Mopeds oder per LKW zurückgelegt.</p>



<p></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;<em>Die Menschen wünschen sich Unsterblichkeit, aber wissen nichts anzufangen an einem verregneten Sonntagnachmittag.</em>&#8222;</p><cite>Sven Hedin</cite></blockquote>



<p></p>



<p>In Wüsten gibt es für mich zwei grundlegende Arten der Fortbewegung. Entweder durchquere ich diese ohne jegliche Unterstützung von außen. Mit der Folge, dass ich dann meine komplette Ausrüstung und Verpflegung mitschleppen muss. Genau für den Zweck habe ich einen Fahrradanhänger zu einem “Menschen-Anhänger” umgebaut.</p>



<p>Bei einem völlig autonomen Projekt ist eine der größten logistischen Herausforderungen die Sicherstellung der Wasserversorgung unterwegs. Dafür benötige ich entweder natürliche Wasserstellen oder ich lege mir im Vorfeld Wasserdepots an, wie ich das auf meinem Marsch durch die Atacama Wüste getan habe.</p>



<p>Bei beiden Varianten bin ich darauf angewiesen, eine größere Menge Wasser – mindestens 12 Liter – unterwegs mit mir zu tragen. Deshalb kommt diese Variante bei einer Ultramarathon Expedition nicht in Frage.</p>



<p>Die Versorgung mit Wasser ist auf einem Wüstenlauf meine absolute Lebensversicherung. Ansonsten kann so ein Trip schnell lebensbedrohlich werden. Und dafür hänge ich einfach zu sehr an meinem eben!</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="800" height="600" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_2.jpg" alt="" class="wp-image-2120" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_2.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_2-300x225.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_2-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>Regenbogen in der Gobi</figcaption></figure></div>



<p>Oder die zweite Option: Ich laufe. Da es bei einem Lauf unmöglich ist rund 150 Liter Wasser und die Vorräte für mehrere Wochen zu transportieren ist ein logistischer Backup zwingend erforderlich.</p>



<p>Nach einigem Hin und Her stand meine Entscheidung fest: Anders als bei der Durchquerung der Atacama Wüste in Chile, wollte ich nicht “einfach nur” durch die Wüste gehen, sondern tatsächlich laufen.</p>



<p>Das bedeutete, dass ich bis auf ein Tages-Notgepäck im Laufrucksack von ca. 9kg, für das restliche Gepäck ein Minimum an logistischer Unterstützung in Anspruch nehmen musste. Da ich die Strecke in 15 Tagen bewältigen wollte, war das immerhin eine durchschnittliche Tagesetappe von 67km.</p>



<p>Im Klartext bedeutete das: Ich wollte in einem der unwirtlichsten Landstriche der Erde, täglich einen Ultramarathon absolvieren und das 15 mal in Folge.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Im Banne der Wüste</h2>



<p>Eigentlich startete meine Reise in diesen wildesten Teil der Mongolei bereits viel früher. Schon als Jugendlicher hatte mich die Gobi, nicht zuletzt wegen Ihres klangvollen Namens, in ihren Bann gezogen.</p>



<p>Abenteuerhungrig wie ich war, habe ich das Buch von Sven Hedins Entdeckungsreisen durch die Wüsten Asiens regelrecht verschlungen. Und für mich stand schon damals fest – irgendwann werde ich die Wüste Gobi durchqueren. Es sollte aber noch viele, viele Jahre dauern.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="800" height="600" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_4.jpg" alt="" class="wp-image-2122" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_4.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_4-300x225.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_4-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption>Beindruckende Kontraste in der Gobi</figcaption></figure></div>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Aufbruch in eine andere Welt</h2>



<p>Wie immer vor so einer Tour, waren die letzten Wochen vor dem Aufbruch mit hektischer Betriebsamkeit gefüllt. Die logistischen Vorbereitungen im Vorfeld waren diesmal überschaubar, wollte ich doch nur mit einem absoluten Minimum an Ausrüstung unterwegs sein. Die Verpflegung – bis auf mein Peronin – würde ich komplett vor Ort besorgen.</p>



<p>Mit der Agentur in Ulan Bator, die mir ein Versorgungsfahrzeug mit Fahrer bereitstellte, war ich so weit klar. Wichtig war, dass der Fahrer hundertprozentige Zuverlässigkeit mitbrachte. Das bedeutete im Klartext, er muss sich an unsere Vereinbarungen halten und mich abends mit der Ausrüstung exakt am vereinbarten Zielpunkt erwarten.</p>



<p>Ein ruhiger Flug mit kurzem Zwischenstopp in Moskau, ließ mich morgens um 5 Uhr in der Früh im eisig kalten Ulan Bator ankommen. Obwohl wir Anfang Oktober hatten, waren es minus 12 Grad. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich in der Wüste Gobi noch erwarten würde.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_3.jpg" alt="Unendliche Weite in der Wüste Gobi" class="wp-image-1792"/><figcaption>Unendliche Weite</figcaption></figure></div>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Genuss und Tortur</h2>



<p>Ich startete am östlichen Rand der Wüste Gobi in der Nähe von Erdene, unweit der Grenze zur Volksrepublik China. Die Gobi zeigte mir in den 15 Tagen alle Facetten. Mal war ich in herrlichem Sonnenschein unterwegs, mal war es nass und kalt. In einigen Nächten sank die Temperatur unter 10 Grad minus.</p>



<p>Ständig hatte ich mit stürmischem Gegenwind zu kämpfen, der das Vorankommen sehr mühsam machte. Kurz vor Ende kam ich in der Nähe der mächtigen Dünen in einen Sandsturm, der die Sicht und Orientierung massiv beeinträchtigte. Der Sand fand seinen Weg in Augen, Nase, Ohren…überall. Dennoch konnte ich meine geplanten Tagesetappen durchziehen.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wüstenmenschen</h2>



<p>Die Wüste Gobi ist keineswegs eine menschenleere Wüste. Ab und an traf ich auf Menschen, die entweder mit alten russischen Mini-Trucks oder dem Motorrad unterwegs waren. Die meisten boten mir an mich ein Stück des Weges mitzunehmen.</p>



<p>Anders als Reinhold Messner, ließen mich diese Angebote völlig kalt. Ich lief schließlich nach meinen eigenen Regeln durch die Wüste Gobi und nicht, um anderen etwas zu beweisen. Für die Motivation zum Durchhalten ist das ungeheuer bedeutsam.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_7.jpg" alt="Motorradfahrer mit Gesichsmaske in der Wüste Gobi" class="wp-image-1794"/><figcaption>Motorradfahrer in der Gobi</figcaption></figure></div>



<p>Hätte ich mich auch nur einen einzigen Meter mitnehmen lassen, wäre mein Projekt für mich gestorben und die Motivation völlig zusammengebrochen. Selbstbetrug ist die schmerzlichste Art des Betrugs! Die Gobi war mein Projekt…mein Baby. Ich lief nicht durch diese faszinierende Wüste, weil ich anderen etwas beweisen will.</p>



<p>Deshalb lehnte ich das wohlgemeinte Angebot des einheimischen Wüstenfahrers dankend ab. Was dieser mit einem Kopfschütteln quittierte. Manche Gesten sin halt überall auf der Welt gleich</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gob_3.jpg" alt="Normaden in der Wüste Gobi" class="wp-image-1800"/><figcaption>Typische Jurten der Normaden</figcaption></figure></div>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Gegen Ende tat es nur noch weh</h2>



<p>Ich biss mich Tag für Tag durch. In den letzten 3 Tagen machte mir eine äußerst schmerzhafte Knochenhautentzündung am rechten Schienbein arg zu schaffen. Das Laufen wurde zunehmend beschwerlich und zum mentalen Kraftakt.</p>



<p>Obwohl ich mir schon vor vielen Jahren wirksame Mentaltechniken zur Schmerzregulation angeeignet hatte, litt ich wie ein Hund. Durch mein mentales Schmerzmanagement war ich dennoch in der Lage weiterzulaufen.</p>



<p>Die Schmerzen am Schienbein wurden mein ständiger Begleiter, denn die kurze Regenerationszeit über Nacht reichte nicht aus, um diese abzumildern. Überhaupt taten mir abends im Schlafsack meine Füße so weh, dass ich oft stundenlang nicht einschlafen konnte.</p>



<p>Irgendwann fiel ich aber dann doch vor Erschöpfung in einen tiefen Schlaf. Immer begleitet von der Ungewissheit, ob ich am nächsten Tag überhaupt in der Lage war weiterzulaufen.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Glück des Ankommens</h2>



<p>Ich schaffte es, mich immer wieder mit den Schmerzen zu arrangieren. Deshalb lief ich einfach weiter…immer weiter. Mit der Konsequenz, dass ich mein Ziel am Abend des fünfzehnten Tages erreichte.</p>



<p>Ich hatte es geschafft. Ein weiterer meiner großen Träume, den ich seit meiner Kindheit träumte, wurde wahr. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchströmte mich, obwohl ich schon die ganzen letzten Stunden mega-euphorisch war. Die Aussicht diese Tortur bald hinter mich gebracht zu haben, verschaffte mir den ganzen Tag ein “Dauer-High”.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_5.jpg" alt="Dramatischer Sonnenuntergang in der Wüste Gobi" class="wp-image-1797"/><figcaption>Dramatischer Sonnenuntergang in der Wüste Gobi</figcaption></figure></div>



<p>Im Ziel erwartete mich Hygi, der Fahrer meines Back-Up-Fahrzeugs. Wir vielen uns in die Arme. Mein Glück war unbeschreiblich. Nur wenige Minuten später konnte ich kaum mehr Gehen, so stark waren die Schmerzen im Bein. Meine mentale Kraft hatte ausgereicht bis zum Ziel. Als mein Körper angekommen war, gab es auch keinen Grund mehr für meinen Geist weiterzulaufen. Die mentale Unterstützung wurde schlichtweg nicht mehr benötigt. Sofort brach der “Schmerzmanagement-Mechanismus” ein.</p>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2021/04/Gobi_8.jpg" alt="Hygi und Stefan Wüste Gobi" class="wp-image-1798"/><figcaption>Mein Backup Hygi</figcaption></figure></div>



<p>Das Resultat, meine Beine trugen mich einfach nicht mehr. Wieder mal ein Beleg dafür, was die Mentale Stärke eines Menschen bewirken kann. Mich haben diese einzigartigen Erlebnisse in der Wüste Gobi wieder ein Stück stärker gemacht!</p>



<p>Damit war 2014 ein ganz besonderes Jahr für mich. Nur 4 Monate nach meinem Deutschlandlauf hatte ich mit dem Lauf durch die Wüste Gobi einen weiteren 1000km-Lauf erfolgreich bewältigt!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Floßfahrt nach Alaska: Drei Männer, drei Bären und ein Floß</title>
		<link>https://hieronimus.com/flossfahrt-yukon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 08:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Yukon, Klondike, Dawson City, Chilcoot Trail – diese klangvollen Namen faszinieren mich seit meiner Jugend. Denn damals habe ich „Alaska-Kid“ von Jack London regelrecht verschlungen und alle Abenteuer vom heimischen Sofa hautnah miterlebt. Deswegen war mir klar, dass ich ähnliche Abenteuer irgendwann selbst erleben möchte. Vor allem der Yukon, einer der mächtigsten und größten aller [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Yukon, Klondike, Dawson City, Chilcoot Trail – diese klangvollen Namen faszinieren mich seit meiner Jugend. Denn damals habe ich „Alaska-Kid“ von Jack London regelrecht verschlungen und alle Abenteuer vom heimischen Sofa hautnah miterlebt. Deswegen war mir klar, dass ich ähnliche Abenteuer irgendwann selbst erleben möchte. Vor allem der Yukon, einer der mächtigsten und größten aller nordamerikanischen Ströme, hat mich seither nicht mehr losgelassen. </strong></p>



<p>Über 3000 km bahnt er sich seinen Weg durch Kanadas Nordwesten und Amerikas „Last Frontier“, der Bundesstaat Alaska, bis er sich in einem gigantischen Delta in die Beringsee ergießt. Schon damals stand für mich fest, irgendwann würde ich mich selber auf seinen Wassern, in die abenteuerliche Zeit des Goldrausches&nbsp;zurückbegeben. Nun war dieser Traum Wirklichkeit geworden. Eine Floßfahrt von Kanada nach Alaska – gemeinsam mit meinen Kumpels Ralf und Andre.<br></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flosshuette-1-Stefan-Ralf.jpg" alt="" class="wp-image-1558" width="670" height="435" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flosshuette-1-Stefan-Ralf.jpg 521w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flosshuette-1-Stefan-Ralf-300x195.jpg 300w" sizes="(max-width: 670px) 100vw, 670px" /><figcaption class="wp-element-caption">Endlich geht es los &#8211; Start in Carmacks</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Floßfahren ist nichts für Weicheier</h2>



<p><em>„Haltet Euch immer am rechten Ufer. Das ist euere einzige Chance“. „Was? Mit diesem Monstrum wollt ihr durch die „Five Fingers“?</em> Mit guten Ratschlägen und Warnungen hatte man uns im Vorfeld unserer Reise reichlich bedacht. Daher waren wir zwar gewarnt, aber die Warnungen konnten uns nicht von unserem Vorhaben abhalten.</p>



<p>Heute ist der erste Tag unserer abenteuerlichen Floßfahrt auf dem Yukon River. „Josefine“ treibt ruhig und gemächlich mit der Strömung. Es kommt uns vor, als würden wir über das Wasser schweben. Es ist windstill und warm. Nichts scheint diese Idylle zu trüben. Unser Floß sollte unsere treue Gefährtin auf dem Weg nach Alaska sein, deswegen hatten wir es auf den Namen „Josefine“ getauft. </p>



<p>Als wir so vor uns hintreiben, deutete so gar nichts darauf hin, dass wir uns kurz vor den berühmt-berüchtigten „Five-Finger-Rapids“ Stromschnellen befinden. Schließlich waren die in früheren Zeiten, als noch Dampfschiffe auf dem Yukon unterwegs waren, gefürchtet.  Inzwischen hat das natürlich keine Bedeutung mehr. Weil Josefine aber mindestens so klobig und ungelenk wie ein Dampfschiff ist, haben wir vor den Five-Finger-Rapids ehrlichen Respekt.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Five-Finger-Rapids-Yukon.jpg" alt="Five Finger Rapids Yukon River" class="wp-image-1627"/></figure>
</div>


<p>Mit einigen kräftigen Ruderschlägen halten wir Josefine auf Kurs, da der Fluss hier eine langgezogene Rechtskurve macht und wir in Kurven automatisch nach außen treiben. Uns präsentiert sich eine perfekte Abenteuer-Szenerie. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel. Die Luft ist erfüllt von Vogelgezwitscher. Der Yukon fließt ruhig und träge dahin. Und doch ist es eine trügerische Idylle, denn irgendwo hinter der nächsten Flussbiegung lauern sie, die Five-Finger-Rapids.</p>



<p>Dennoch, so richtig genießen können wir daher die Idylle nicht. Denn trotz unsere sorgfältigen Planung, können wir nicht so richtig einschätzen, was uns erwartet. Sicherheitshalber legen wir unsere Schwimmwesten an.</p>



<p>Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen, weil wir dir Rapids endlich sehen wollen. Dann ist es soweit. Wirklich beeindruckend ragen die Felstürme in den Himmel. Dazwischen tosendes und schäumendes Wasser. <em>„Da sollen wird durch?“</em>, stöhnt Andre. <em>„Klar, das schaffen wir. Wäre doch gelacht“,</em> antwortete Ralf, unser Berufsoptimist vom Heck des Floßes. <em>„Denn der recht Kanal sieht es gar nicht so schlimm aus. Da kommen wir schon irgendwie durch“.</em><br><br></p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="520" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Josefine_2.jpg" alt="" class="wp-image-1652" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Josefine_2.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Josefine_2-300x195.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Josefine_2-768x499.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Josefine &#8211; ein (fast) perfektes Floß</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Alles Kinderkram! Wie wir die Stromschnellen besiegen</h2>



<p>Für Kanuten stellen die Five-Finger-Rapids heute kein Problem mehr dar. Allerdings mit einem zweitonnenschweren Floss, welches nur von Tauen und ein paar genagelten Brettern zusammengehalten wird, sieht die Sache schon anders aus. Auch deshalb, weil ein Floss auf kurze Distanz nur schwer seitlich zu manövrieren ist.</p>



<p>Sollten wir einen der Felstürme rammen, so wäre das das frühe Aus für unsere Tour. Bis jetzt haben wir keinen Grund zur Sorgen, denn wir liegen gut auf Kurs. Nach anfänglichen Problemen haben Ralf und ich die Steuerung unserer Josefine ganz gut im Griff.</p>



<p>Die Strömung wird schneller und lässt auch uns schneller
werden. Die Five Finger Rapids rasen jetzt förmlich auf uns zu. Von einer
kleinen Plattform weit oberhalb am rechten Ufer, beobachten uns ein paar
Touristen. Die Kameras schussbereit in der Hand. Für die ist das natürlich ein
besonderes Spektakel und eine gute Chance auf ein „Big Picture“. </p>



<p>Das Rauschen der Rapids verwandelt sich jetzt in ein donnerndes Getöse. Uns ist mächtig mulmig zu mute. Wie von Geisterhand werden wir von einem starken Sog erfasst. Können überhaupt nichts mehr ausrichten. Völlig hilflos sind wir den Rapids jetzt ausgeliefert. Der Sog katapultiert uns regelrecht durch die Rapids. Dadurch macht Josefine eine 180-Grad-Drehung und komplette Deck wird von den tosenden Wassermassen überflutet. Bevor wie das alles so richtig registrieren, ist es auch schon vorbei.</p>



<p>&nbsp;Als sei nichts
gewesen, treiben wir wieder gemütlich dahin. Schlagartig löst sich unsere
Anspannung und weicht einer regelrechten Euphorie. Wir hatten unsere erste
echte Bewährungsprobe geschafft. <em>“Pah,
das soll‘s gewesen sein? War doch Kinderkram!“</em> Unsere Überheblichkeit kennt
keine Grenzen! <em>„Jungs, was haltet ihr von
einem Tee mit Rum zur Belohnung?“</em> Unser Smutje Andre weiß genau, was seine
Mannschaft jetzt braucht.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Kochen_2.jpg" alt="" class="wp-image-1534" width="671" height="435" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Kochen_2.jpg 525w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Kochen_2-300x194.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 671px) 100vw, 671px" /><figcaption class="wp-element-caption">Unser Smutje Andre</figcaption></figure>
</div>


<p>Ralf und ich hatten Andre bereits vor Beginn der Reise ganz
undemokratisch zum „Smutje“ bestimmt. Nach anfänglichem Murren ging dieser mit
der Zeit richtig in seiner Rolle auf. Täglich überrascht er uns mit&nbsp;neuen kulinarischen
Ideen und zaubert aus wenigen Zutaten das herrlichste Dinner. Besonders an den Tagen,
wo sich alles gegen uns verschworen hat, ist das Balsam für unsere geschundenen
Floßfahrerseelen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Koch-Yukon-711x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1530" width="400" height="576" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Koch-Yukon-711x1024.jpg 711w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Koch-Yukon-208x300.jpg 208w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Koch-Yukon-768x1106.jpg 768w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Koch-Yukon-1066x1536.jpg 1066w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Andre-Koch-Yukon.jpg 1180w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bannock &#8211; selbstgebackenes Fladenbrot</figcaption></figure>
</div>


<p>Allmählich tauchen wir immer tiefer in unser Floßabenteuer ein. Wir genießen die wilde Landschaft, die an uns vorbeizieht. Unser Tagesablauf wird immer mehr zur Routine. Unser kleines Team funktioniert perfekt wie eine Crew, die schon lange gemeinsam auf einem Schiff unterwegs ist. Aufgaben werden ohne große Worte verteilt und ohne Murren erledigt. Auch Josefine wird uns immer vertrauter. Schließlich ist sie unser Basecamp und Zuhause für einen Zeitraum von 6 Wochen. Vertrauter wird sie uns auch deshalb, weil wir lernen, ihr Verhalten und die Wirkung unserer Rudermanöver besser einzuschätzen.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Echte Kerle brauchen echte Abenteuer – Wie alles begann</h2>



<p>In diesen ersten Tagen konnten wir noch nicht ahnen, wie
viele unglaubliche Abenteuer die nächsten beiden Monate für uns bereithalten
sollten. Inklusive einer spannenden Bärenstory, die sich viele
Abenteuerhungrige wünschen. Wir hatten Sie.&nbsp;</p>



<p>Schon die Anreise verlief abenteuerlich. Nach dem wir zwei Tag bei Andres Onkel in Vancouver verbracht hatten, flogen wir nach Whitehorse. Die kurze Zeit dort ist gefüllt mit wichtigen Besorgungen. Wir kaufen dort weitere wichtige Ausrüstungsgegenstände wie Axt, Säge, Gummistiefel, Messer und versorgten uns mit jede Menge Proviant. Natürlich durfte auch ein ausreichender Vorrat an Bier nicht fehlen.</p>



<p>Leider hatte die in meinem Rucksack mitgereiste Flasche „österreichischer Stroh Rum“ (gedacht, um den Tee am abendlichen Lagerfeuer etwas aufzupäppeln) die Anreise im Flieger nicht unbeschadet überstanden. So konnte ich am Gepäckband im Airport in Vancouver, nur noch einen triefenden und fürchterlich nach Rum stinkenden Rucksack in Empfang nehmen. Daher würde ich unterwegs auf Ralfs und Andres Großzügigkeit angewiesen sein. </p>



<p>Als wir alle Besorgungen erledigt hatten standen wir etwas nördlich von Whitehores mit einem riesigen Berg Gepäck am Highway nach Carmacks. Dem Startpunkt der Floßfahrt. Die wenigen Autos, die vorbeikamen, machten keine Anstalten anzuhalten. Eigentlich kein Wunder, denn wer mag schon drei verwegen dreinschauende junge Männer mit jede Menge Gepäck inkl. Axt und Säge mitnehmen.  Vertrauenserweckend sahen wir bestimmt nicht aus.</p>



<p>Wir beschlossen, Ralf erstmal alleine trampen zu lassen. Der hatte dann auch schnelle Glück. Weil der Fahrer aber nur noch Platz für eine Person und einen Teil unseres Gepäcks hatte, blieben Andre und ich zurück.  Mit uns das Ausrüstungs-Zelt, in welchem wir dann auch die Nacht verbrachten. Am nächsten Tag, als Andre den Daumen in den Wind hielte, stoppte eine junge Frau. Diese wollte &#8211; aus verständlichen Sicherheitsgründen &#8211; nur einen von uns beiden mitnehmen. Daher überließ ich Andre den Vortritt. Seiner Meinung nach war ich ja schließlich der Rucksackreise-Profi und hatte außerdem die besseren Englischkenntnisse. Diesen seinen Argumenten hatte ich nichts entgegenzusetzen.  Es war aber auch ok für mich. </p>



<p>Somit verbrachte ich ein zweite Nacht, dieses Mal ganz alleine neben dem Highway. Irgendwie schien mir das Mitfahrerglück nicht Hold zu sein. Ich wollte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als sich doch noch jemand meiner erbarmte und mich bis nach Carmacks mitnahm.</p>



<p>In Carmacks angekommen, keine Spur von Andre und Ralf. Weil es schon spät war, musste ich mich schleunigst um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmern. Die ergab sich dann fast von alleine, als ich mir im Pub ein Bier gönnte und zwei Deutsche, die unterwegs nach Dawson City waren, kennenlernte. </p>



<p>Am nächsten Morgen traf ich dann auch auf Ralf und Andre. Die beiden hatten in der Zwischenzeit einen geeigneten Platz zum Bau des Floßes gefunden.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Floßbau kann ganz schön anstrengend sein </h2>



<p>Dieser lag ca. 5km südlich von Carmacks. Es handelte sich um eine kleine Lichtung, nicht weit vom Ufer des Yukon. Der Platz an sich war zwar ok, aber wie sich schon bald herausstellte, fanden wir in unmittelbarer Näher keine brauchbaren Baumstämme für unser Floß. </p>



<p>Dafür eignen sich am ehesten Bäume, die erst kürzlich abgestorben sind. Im Vergleich zu lebenden Bäumen, enthalten die nämlich bereits viel weniger Restfeuchte. Sie sind deswegen leichter und geben mehr Auftrieb. Wichtig ist, dass sie vom Holz her noch intakt und nicht bereits am verrotten sind. </p>



<p>Leider fanden wir davon in der Nähe des Ufers nur zwei Exemplare. Etwas besser sah es tiefer im Wald aus. Aber wirklich reichhaltig war das Angebot auch dort nicht. Folglich musste auch der ein oder andere noch lebende Baum dran glauben. Und zwar wie die Holzfäller in früheren Zeit, nur mit der Axt. </p>



<p>Für uns bedeutete das jetzt „richtig harte Arbeit“. Wie sollten wir die wuchtigen Stämme tief im Wald bis zum Ufer bekommen? Wir hatten ja für den Transport keinerlei Hilfsmittel. Kreativität war gefragt. Und Ralf, als Experte für die Konstruktion von Freizeitparkgeräten, hatte schnell eine perfekte Lösung parat. Ein Rollensystem aus kurzen Baumstämmen musste her. So genial die Idee auch war, für uns bedeutete sie die reinste Schinderei. Obwohl wir Abends völlig platt waren, saßen wir noch eine ganze Weile zusammen am Lagerfeuer und genossen unser Feierabendbier. Lagerfeueridylle pur</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="520" data-id="1642" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_1-1.jpg" alt="" class="wp-image-1642" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_1-1.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_1-1-300x195.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_1-1-768x499.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="520" data-id="1643" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_2-1.jpg" alt="" class="wp-image-1643" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_2-1.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_2-1-300x195.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_2-1-768x499.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="520" data-id="1644" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_3-1.jpg" alt="" class="wp-image-1644" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_3-1.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_3-1-300x195.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_3-1-768x499.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></figure>
</figure>



<p>Nach einem besonders harten Arbeitstag, stand uns der Sinn nach einer feucht-fröhlichen Abwechslung. Als Belohnung sozusagen. Somit beschlossen wir, den Tag im Pub von Carmacks ausklingen zu lassen. Deshalb machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Wie nicht anders zu erwarten, schmeckte das Biereinfach köstlich. Der Barmann, eine richtig „coole Socke“, meinte: „You’re germans, you’re born to drink beer“. Dieser Satz wurde für den Rest unserer Reise so etwas wie unser Leitmotiv!</p>



<p>Eigentlich hatten wir genug und wollten uns auf den Nachhauseweg machen, doch nebenan war eine Karaoke-Party der Nativ Nations in vollem Gange. Daher entschieden wir spontan, dort den Abschluss des Tages zu machen. Wir waren die einzigen „Weißen“ und das reichte offensichtlich aus, um schnell im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu stehen. Ich kannte das von meinen ausgedehnten Reisen in die Südsee. Besonders Andre, mit seinem langen Buck-Messer am Gürtel, um das er ein Seil geschlungen hatte, weckte die Bewunderung der weiblichen Natives. Für sie war er der „Mountain Climber“, was sie offensichtlich sehr beeindruckte. Wir hatten viel Spaß und bei Karaoke und reichlich Bier war die Stimmung ausgelassen. Karaoke mit betrunkenen Indianern muss man echt mal erlebt haben! Weil aber mit steigendem Alkoholpegel die Stimmung unter den Natives aggressiver wurde, entschlossen wir uns zum Rückzug und marschierten die 5 Kilometer zurück zum Camp.<br><br></p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_4.jpg" alt="" class="wp-image-1647"/><figcaption class="wp-element-caption">Andre beim Stämme zusammenbinden</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="520" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_5.jpg" alt="" class="wp-image-1649" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_5.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_5-300x195.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Flossbau_5-768x499.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Gerüst für die Hütte entsteht</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Bärenalarm im Camp</h2>



<p>Im Camp angekommen, stellten wir entsetzt fest: Wir hatten
vergessen, unsere beiden zentnerschweren Proviantsäcke bärensicher in einen
Baum zu hängen. Dies taten wir für gewöhnlich am Abend. Bärensicher bedeutete
mindestens drei Meter hoch. </p>



<p>Wir hatten unverschämtes Glück, denn unser Proviant war noch unversehrt. Vielleicht hatte Ralfs Fahrer ja doch recht mit seiner Behauptung &#8222;er habe seit 20 Jahren hier keinen Bären mehr gesehen.&#8220;</p>



<p>Weil wir müde und auch reichlich angetrunken waren, hatten wir keine rechte Lust darauf, die Säcke noch ganz in die Höhe zu ziehen. Deshalb begnügten wir uns damit, diese auf gute Kopfhöhe zu ziehen und befestigten die Seile am Stamm. </p>



<p><strong>Diese Nachlässigkeit sollte sich rächen! </strong></p>



<p>Am frühen Morgen – es dämmerte bereits &#8211; wurden wir von
einem kratzenden Geräusch und einem tiefen Schnauben geweckt. <em>„Jungs, da ist jemand“,</em> klang es
verschlafen aus Andres Schlafsack. Dieser drehte sich mit seinem Schlafsack zum
Zelteingang, öffnete den Reißverschluss und steckte den Kopf raus. Als er sich
wieder zu uns drehte, stand ihm der Schrecken förmlich im Gesicht. <em>„Draußen ist ein Bär“</em>! Ich war sofort hellwach,
aber Ralfs Sinne schienen noch vom Restalkohol völlig benebelt, denn aus seinem
Schlafsack kam murmelnd „<em>Der geht auch
wieder“</em>.&nbsp; </p>



<p>Doch dann wurden auch er schlagartig wach und registriert
was los war: <em>„Das gibt’s doch nicht“!</em>
Abermals blickte Andre aus dem Zelt: <em>„Jetzt
sind es schon drei und die machen sich gerade über unsere Proviantsäcke her“</em>.
Nun wollte auch ich sehen, was da draußen gerade passiert. Was ich sah, war
beängstigend und faszinierend zugleich. Eine Bärenmutter stand auf den
Hinterläufen und schlug mit den Tatzen heftig gegen unsere Proviantsäcke. Ihre
beiden Jungtiere standen neben ihr und sahen staunend zu. Als die Packsäcke
schließlich runterfielen, zog unser Bärenbesuch diese mit vereinten Kräften ein
Stück in den Wald hinein.</p>



<p>Doch scheinbar waren die drei Bären genauso überrascht wie wir, denn sie zogen sich tiefer in den Wald zurück. Wir trauten uns endlich aus dem Zelt.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie wir tagelang von 3 Bären belagert werden</h2>



<p>Was sind wir nur für
„Greenhörner“, dachte ich. Jetzt erst sahen wir das ganze Ausmaß der
Bescherung. Unsere Proviantsäcke, oder vielmehr was davon übriggeblieben war,
fanden wir ca. 30 Meter vom Camp entfernt im Wald.</p>



<p>Wir nutzten die Abwesenheit der Bären und versuchten vom
Proviant zu retten, was zu retten war. Doch das war nicht viel. Der Großteil
unseres Proviants war unbrauchbar geworden. Unser Speck- und
Schokoladenvorrat&nbsp;war gänzlich verschwunden. Nudeln, Reis, Haferflocken,
Bohnen und Cornflakes lagen auf dem Waldboden verstreut.</p>



<p>In den nächsten Tagen lernten wir mit den Bären in unserer
unmittelbaren Nachbarschaft zu leben, denn die wussten nun, wo es was zu holen
gab und verloren jegliche Scheu. Einmal kam es sogar vor, dass die Bärenmutter
direkt vor unserem Zelt stand und neugierig daran schnupperte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Baer-Zelte.jpg" alt="" class="wp-image-1536" width="692" height="447" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Baer-Zelte.jpg 523w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Baer-Zelte-300x194.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 692px) 100vw, 692px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bären im Camp</figcaption></figure>
</div>


<p>Durch diese permanente räumliche Nähe zu unseren Belagerern,
verloren wir allmählich den Respekt vor ihnen. Sie wurden uns richtig lästig.
Auf Hausbären hatten wir nun wirklich keine Lust. Wir schlugen mit Werkzeugen
gegen unser Kochgeschirr, um sie durch den Lärm zu vertreiben. Als das nicht
half warfen wir sogar mit Steinen nach ihnen. Damit erreichten wir nur, dass
die Bären den nächstbesten Baum hochkletterten und dort eine Weile ausharten
und dann wieder hinabstiegen und uns vom Boden aus beobachteten. Was wir auch
taten, wir wurden sie nicht los. Es war uns mittlerweile sogar egal, wenn wir
mit dem Floßbau beschäftigt waren und uns in fünf Meter Entfernung ein Bär
dabei zuschaute. Nur durften wir&nbsp;niemals zwischen die Mutter und ihre zwei
Jungen kommen!</p>



<p>Einmal &#8211; Ralf und ich waren gerade dabei, die Stämme des
Floßes zusammenzubinden &#8211; stand die Bärin höchsten zwei Meter hinter Ralf. Der stand
in gebückter Haltung und war gerade dabei einen Knoten zu verschweißen. Sein
Hintern streckte er so genau in die Richtung, wo die Bärin stand. Und diese schnupperte
mit ihrer Nase genau in Richtung von Ralfs Allerwertesten. Es war ein Bild für
die Götter. &nbsp;Hätte ich damals ein Handy
griffbereit gehabt, das Foto würde heute „viral gehen“, wie man im digitalen
Zeitalter sagt.</p>



<p>Ich zu Ralf: <em>Ralf,
hinter dir steht ein Bär“</em> Worauf er mich anschaut und nur meint: <em>„Scheiße“.</em> Als wäre das das Kommando für
den Rückzug, witterte die Bärin nochmal in Ralfs Richtung, drehte sich dann um
und trottete davon.</p>



<p>Einfach unglaublich. Solche Erlebnisse lassen sich mit Worten
nicht wirklich beschreiben.</p>



<p>So lebten wir also in mehr oder weniger friedlichen Koexistenz mit unseren drei Bären. Aber offengesagt, immer mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. So waren wir dann doch froh, als Josefine endlich soweit fertig war, dass wir unsere abenteuerliche Floßfahrt beginnen konnten. Wir sagten unseren Bärenfreunden „Lebe wohl“ und legten voll freudiger Erwartung vom Ufer ab. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Müßiggang, Luxus und Bordroutine</h2>



<p>Das war jetzt gut eine Woche her. Heute stehen unsere
zweiten Stromschnellen, die Rink Rapids, auf dem Programm. Diese können uns jedoch
in keinster Weise mehr beeindrucken. Schließlich fühlen wir uns jetzt als
erfahrene Floßfahrer. </p>



<p>Heute ist wieder ein wunderbar warmer, ja fast heißer Tag. Blauer
Himmel und absolute Windstille. An solchen Tagen wird Josefine zu unserer Relax-Oase.
Ralf hat sich auf dem Seitendeck lang gemacht und döst mit blankem,
sonnengebräuntem Oberkörper vor sich hin. Andre lümmelt sich auf dem Küchendeck,
direkt neben unsere Kochstelle und ich habe es mir auf der selbstgebauten
Klappbank, unter der wir unseren Vorratsraum eingerichtet haben, gemütlich gemacht.
Müßiggang pur!</p>



<p>Als Kochstelle dient uns eine kleine Öltonne, die wir zu
Beginn unserer Reise am Ufer gefunden und die wir zum Ofen umfunktioniert
haben.</p>



<p>Mittlerweile ist unsere Josefine immer luxuriöser
ausgestattet. Am Ufer des Yukon finden wir immer wieder nützliche Dinge, die
unser Leben an Bord komfortabler machen. So zum Beispiel ein altes, halbverfallenes
Klohäuschen. Dessen Bretter waren perfekt sich ideal für die Erweiterung des Deckbereichs.
Zudem fertigten wir daraus ein Hängeregal. Alles an Board hat seinen festen
Platz und ist in wenigen Sekunden griffbereit. Das erleichtert das Floßfahrerleben
ungemein.</p>



<p>Die Tage fließen dahin. Doch Langeweile empfinden wir nie. Wir
genießen das lautlose Dahintreiben in dieser einzigartigen Naturkulisse. Wir
erzählen uns Schwänke aus unserem Leben, lästern über die Daheimgebliebenen,
schmökeren in Romanen, während wir uns immer tiefer in die Wildnis des Yukon
Territoriums treiben lassen.</p>



<p>Wir fühlen uns unendlich frei, aber auch unheimlich prädestiniert, ein solches Abenteuer erleben zu dürfen. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der größte Alptraum eines Floßfahrers wird wahr</h2>



<p>Heute hat der Wind aus Nordost hatte merklich aufgefrischt
und mit dem süßen Nichtstun ist es erstmal vorbei. Wir haben ein echtes Problem:
Der Wind. Denn der drückt unser Floß ständig ans Ufer. Und dass, obwohl wir
zwischenzeitlich einige bauliche Veränderungen an der Hütte vorgenommen haben. Als
Regenschutz hatten wir die Hütte mit festen Seitenplanen versehen. Dadurch aber
war Josefine selbst wenn nur ein laues Lüftchen wehte, sehr windanfällig. Das
Problem konnten wir dadurch lösen, dass wir am Ende der Planen jeweils ein
Brett befestigt haben. So konnten wir je nach Bedarf die Plane herunterlassen
oder nach oben aufrollen. Josefine bot so dem Wind viel weniger Angriffsfläche.</p>



<p>Leider nutzt das bei den jetzigen Windstärken nichts mehr. Die
bloßen Floßaufbauten wie Hütte und Ruderanlagen und unser Gepäck reichen aus,
um das Floß windanfällig zu machen. Ständig treiben wir Richtung Ufer. Durch
Rudern versuchen wir immer wieder der seitlichen Drift entgegenzuwirken. Aber,
alles Rudern hilft nichts. Für den Leser sei angemerkt, dass die Ruder eines
Floßes nur zur seitlichen Steuerung dienen, nicht als Antrieb, wie beim
Ruderboot. </p>



<p>Eine umgestürzte Fichte, die einige Meter über den Fluss
ragt, rasiert fast unsere Hütte weg. Ihre Spitze streift die Hütte so, dass das
Floß fast gestoppt wird. <em>„Gleich fliegt
uns die Hütte um die Ohren!“</em> denke ich. Doch sie hält der Belastung stand.
Dadurch, dass sich die Fichte sehr weit biegt, wird die Hütte vom Druck
entlastet und hält diesem stand.</p>



<p>Gerade nochmal gutgegangen. Doch größeres Unheil folgt auf
dem Fuß.</p>



<p>Wieder einmal drückt uns der Wind in einen der vielen
seichten Seitenarme. Obwohl wir bis zur Erschöpfung rudern, gelingt es uns
nicht, das Floss im Hauptarm zu halten. Wir schrammen mehrmals heftig über den
steinigen Boden. Grundberührung! Der Alptraum eines Floßfahrers! Unsere arme
Josefine! <em>Hoffentlich halten die
Seilverbindungen.</em> Mit Abstoßstangen versuchen wir das Floß seitlich
wegzustoßen und wieder in tieferes Wasser zu gelangen. Mit den Rudern können
wir hier nichts mehr ausrichten. </p>



<p>Wir nehmen wieder Fahrt auf, allerdings mit dem Resultat, dass wir jetzt genau auf ein Gewirr aus Ästen und gestrandeten Bäumen zutreiben. Diese versperren uns sozusagen den einzigen Weg raus aus dem seichten Flussarm. Eines der Ruder verheddert sich derart in diesem Gewirr, dass die Ruderstütze unter dem enormen Druck zu brechen droht. <em>„So ein Mist, das hält das Ruder niemals aus“</em> ruft Andre fast panisch.</p>



<p>Geistesgegenwärtig&nbsp;lässt Ralf die Abstoßstange fallen
und schnappte sich die Axt. Mit mehreren gezielten Hieben schlägt er die Äste des
Baumes ab. Ich greife mir eine der Abstoßstangen und versuche, das Floß von der
Gefahrenstelle wegzustoßen. Dabei reiße ich mir an einem Ast den Finger auf. Er
blutet stark. Aber das ist jetzt egal. Wir müssen nur irgendwie hier rauskommen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" width="331" height="500" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Ralf-Axt.jpg" alt="" class="wp-image-1538" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Ralf-Axt.jpg 331w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Ralf-Axt-199x300.jpg 199w" sizes="auto, (max-width: 331px) 100vw, 331px" /></figure>
</div>


<p>Ralfs Axthiebe zeigen Wirkung. Josefine nimmt wieder Fahrt auf und holpert über den Grund. Bedrohlich reiben die wuchtigen Stämme am Flussgrund. Doch die Tauverbindungen halten der enormen Belastung stand. Endlich erreichen wir wieder tieferes Wasser. Wir sind fix und fertig, aber unendlich erleichtert.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">So viel Glück kann man doch nicht haben</h2>



<p>Die Strömung schiebt unser Floß zurück in den Hauptarm des
Yukon. <em>„Wieder mal Schwein gehabt Jungs“</em>,
spricht Ralf das aus, was wir alle denken. Ich bin besorgt. Soll das jetzt so
weitergehen? Sind die sorglosen Tage an Board vorbei? Die Stimmung bei allen
ist merklich gedrückt. Obwohl unsere Reise zunächst weitergeht, frage ich mich,
ob wir auch weiterhin so viel Glück haben werden.</p>



<p>Die Aktion heute hat nicht nur viel Kraft gekostet, sondern wir
haben auch einiges an Zeit verloren. Wir beschließen daher, heute bis in die
Dämmerung hineinzufahren. Gegen Abend lässt der Wind nach. Die Oberfläche des
Yukon ist jetzt spiegelglatt. Deutlich zeichnet sich der Mond darin ab. deutlich
darin. Die Landschaft ist in ein bizarres Licht getaucht. </p>



<p>Deutlich und überdimensioniert zeichnen sich vor dem dunklen
Blau des Himmels die Konturen der Bäume ab, die hier dicht an dicht das Ufer
säumen. Das Ganze wirkt irgendwie surreal, aber total faszinierend. Wir sind unfähig
irgendetwas zu tun. Können nur staunen und genießen. Ein wahrer Traum – und wir
mitten drin! Unser geplanter Stopp für die Nacht – Fort Selkirk – können wir
nur erahnen. Fernes Hundegebell kündigt an, dass es nicht mehr fern sein kann.</p>



<p>Der Mond versteckt sich nun gänzlich hinter dichten Wolken.
Trotz völliger Dunkelheit, gelingt uns eine Punktlandung genau auf Höhe von
Fort Selkirk. In einer halbverfallenen Hütte machten wir es uns gemütlich für
die Nacht.</p>



<p>Den ganzen nächsten Tag verbringen wir in Fort Selkirk auf Erkundungstour. Fort Selkirk ist eine ehemaligen Handelsstation und hatte in früheren Jahren große Bedeutung als Versorgungsstützpunkt für die Flussfahrer. Viele Relikte aus jener Zeit, sind heute noch zu sehen.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der absolute Super-Gau: Nichts geht mehr</h2>



<p>Wieder unterwegs auf dem Fluss. So schön der Tag auch begann,
der Abend sollte erneut zu einer Belastungsprobe für Mensch und Material
werden.&nbsp; Denn Josefine droht zum
wiederholten Male in einen seichten Seitenarm zu driften.</p>



<p>Wir sind alle so vertieft in unsere Lektüren, dass wir davon
zunächst nichts mitbekommen haben. Bis uns Ralfs Ausruf: „Alle Mann an die
Ruder, da vorne wird’s eng“ uns jäh in die Wirklichkeit zurückbringt. Wir
rudern was unsere Muskeln hergeben. Aber der Effekt ist gleich null. Keinen
Millimeter scheint sich Josefine in die gewollte Richtung zu bewegen. &nbsp;</p>



<p>Es steht jetzt auf Messers Schneide, für welchen Teil des
Yukon sich Josefine entscheiden wird. Unsere Anspannung lässt sich förmlich
greifen. Entscheidet sich Josefine für links, dann sehen wir verdammt alt aus.
Denn soweit wir den Seitenarm überblicken können, ist der mit Sandbänken und
Felsblöcken durchsetzt. Fast macht es den Anschein, als wäre Josefine für uns.</p>



<p>Wir wähnen uns schon in Sicherheit, als Josefine im letzten Moment einen Schwenk nach links macht. Und Schwupps, sind wir drin &#8211; im falschen Seitenarm. <em>„Schöne Scheiße! Nichts mit dem gemütlichen Abend“!</em> Und wieder einmal rumpelt unser Floß über den steinigen Grund. Es ächzt und krächzt. Dann stehen wir still. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein hoffnungsloser
Rettungsversuch</strong></h2>



<p>Und schon wieder sitzen wir fest! Und zwar so richtig.
Josefine liegt wie zementiert im Yukon. Links und rechts und zwischen den
Stämmen strömt das Wasser. Was tun? Ralf und Andre machen sich zu Fuß auf den
Weg, um nach einer möglichen Durchfahrt zu suchen. Ich bleibe auf dem Floß
zurück, also Bordwache sozusagen. Im Sand des Ufers kann ich trotz der
Entfernung deutlich die frischen Spuren eines Grizzlys erkennen. Mir ist mulmig
zu Mute: <em>„Hoffentlich hat Kollege Bär
schon zu Abend gegessen!&#8220;&nbsp; </em></p>



<p>Mit mir bleiben auch unsere gesamten Vorräte auf dem Floß
zurück. Und wie sehr Bären darauf abfahren haben wir ja leidlich während der
Bauphase unseres Floßes erleben müssen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Fossfahrt_andre_schiebt.jpg" alt="" class="wp-image-1540" width="690" height="440" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Fossfahrt_andre_schiebt.jpg 446w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Fossfahrt_andre_schiebt-300x191.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px" /><figcaption class="wp-element-caption">Andre schiebt von hinten am Ruderaufbau</figcaption></figure>
</div>


<p>Als die beiden endlich zurückkommen, versuchen wir das Floß
mit unseren Abstoßstangen zu bewegen. Doch es rührt sich nicht. Statt Abstoßen
versuchen wir es mit Hebeln. Dazu stecken wir die Stangen unter das Floß und
drückten sie dann nach vorne. Andre schiebt zusätzlich von hinten kräftig nach.
Oh Wunder, Josefine ruckelt etwas. Davon angespornt hebeln wir mit voller Kraft
weiter. Es gelingt uns so, das Floß Stück für Stück zu bewegen. Echt mühsam,
aber es funktionierte. So geht es eine ganze Weile weiter, bis endlich das Ende
des Seitenarms in Sicht kommt. Wir erreichen tieferes Wasser und Josefine nimmt
wieder Fahrt auf.</p>



<p>Schnell springen wir aufs Floß, völlig ausgepumpt aber
glücklich, es geschafft zu haben. Die Stiefel voller Wasser und die Hosen nass
bis zu den Oberschenkeln. Doch das ist uns egal. Hauptsache, wir fahren wieder.
In der Dämmerung machen wir die Silhouette einer Insel aus. Erst nach mehreren
Versuchen gelingt die Landung. Andre springt mit dem Anlegeseil an Land und
versucht die Fahrt des Floßes zu stoppen. Das gelingt erst, als ich ihm mit dem
zweiten Seil zur Hilfe komme.</p>



<p>Für heute haben wir die Nase gestrichen voll und beschlossen anzulegen und unser Camp aufzubauen.&nbsp; Während Ralf und ich das Zelt aufbauen und einrichten, kümmert sich Andre um das Abendessen. Heute haben wir uns auf jeden Fall eine Belohnung verdient. Da sind wir alle einer Meinung. Bei Kartoffeln, Eiern, Speck und dem abendlichen Bier am Lagerfeuer sind wir wieder mit Josefine und dem Yukon versöhnt.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Silberfuchs und Grauente &#8211; eine außergewöhnliche Begegnung</h2>



<p>Die nächsten Tage verlaufen ohne besondere Vorkommnisse. Wir
haben zu dieser späten Jahreszeit Mitte September keinen Flussfahrer
angetroffen. Heute sollte sich das ändern. In der Ferne nähert sich ein Kanu
mit zwei Personen. Diese halten jetzt auf uns zu. Natürlich sind wir mächtig
neugierig, wer so spät im Jahr noch auf dem Fluss unterwegs ist. Als das Kanu
backbord am Floß anlegt, stellen sich die beiden als „Silberfuchs“ und
„Grauente“ vor. Ein deutsches Ehepaar aus Krefeld, das in den 60er Jahren ins Yukon
Territorium ausgewandert ist. </p>



<p>Erfrischend, mit welcher Begeisterung die beiden – nicht
mehr wirklich jung an Jahren – von Ihrem Leben in der Weite Kanadas erzählten.
So etwas bewundere. Solche Menschen haben wirklich etwas zu erzählen. Sind aber
oft eher bescheiden, ganz im Gegensatz zu dem Selbstinszenierungsgetöse der
heutigen Digitalgesellschaft.</p>



<p>Auch die nächsten Tage passiert nichts Besonderes. Dass wir uns des Öfteren im Uferbereich verheddern, auf einer Sandbank festsitzen oder im Kehrwasser rückwärtsfahren, ist für uns nichts Besonderes mehr. Alltag eines Floßfahrers eben!<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Dawson City – Dusche, Bier und Glücksspiel</h2>



<p>Als die Mündung des Stewart River und des White River hinter
uns liegen, wissen wir: Dawson City, die legendäre Goldgräberstadt,&nbsp;ist nur
noch wenige Tagesetappen entfernt. Wir sind voller Vorfreude auf die
Abwechslung, die uns dort erwartet. Dawson City soll für uns Kontrastprogramm
zu dem meist ruhigen Flussleben sein. Zudem können wir dort endlich unsere
Biervorräte auffüllen. Diese gehen langsam zur Neige.&nbsp; </p>



<p>Ich kann jetzt gut nachempfinden, wie sich seinerzeit die
Goldgräber gefühlt haben müssen, als sie nach einer langen, beschwerlichen
Anreise Dawson City erreichten.</p>



<p>Dass wir uns Dawson näheren, merken wir auch daran, dass
unser kleiner Weltempfänger endlich wieder einen Radiosender empfängt. Zu Ralfs
Leidwesen handelt es dabei um einen reinen Klassik-Sender. Andre und mir ist
das egal. Wir fühlen uns von Symphonien und Ouvertüren regelrecht beflügelt.
Dawson City muss ganz nah sein.</p>



<p>Bald tauchen in der Ferne die ersten Häuser auf. Sie wirken
wie bunte Legosteine. Dawson City bedeutet für uns Sightseeing, gutes Essen,
jede Menge Bier, Glücksspiel im „Diamond Tooth Gerties“, dem nördlichsten
Spielcasino der Welt, obligatorischer Anruf nach Hause, Wäschewaschen und
natürlich eine ausgiebige Dusche.</p>



<p>Ohne Frage, wir genießen die Zivilisation in vollen Zügen. Aber nach zwei Tagen reicht es uns. Der Kontrast zu der Einsamkeit auf dem Fluss ist wohl doch zu groß. Obwohl Dawson City noch immer etwas von der Faszination längst vergangener Zeiten hat, zieht es uns zurück auf den Fluss.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Auf nach Alaska – von Indianern und Lachsen</h2>



<p>Vor uns liegen noch ca. 300 km Einsamkeit bis nach Eagle,
dem nächsten Vorposten der Zivilisation. Eagle liegt bereits in Alaska. Also
müssen wir dort offiziell einreisen. &nbsp;An
den äußeren Enden von Flussbiegungen begegnen uns jetzt Immer häufiger
Fischräder, mit denen Einheimische Lachse fangen. Auch treffen wir jetzt öfter
auf kleine Fisch-Camps mit Trockengerüsten. Auf diesen hängen hunderte, in Streifen
geschnittene Lachse, zum Trocknen.</p>



<p>In der Nähe der Mündung des Twenty-Mile-Rivers schlagen wir
unser Lager auf. Als ich gerade damit beschäftigt bin, ein Feuer zu bauen, nähert
sich in rasantem Tempo ein Motorboot. Mit elegantem Schwung bringt der Fahrer
das Boot kurz vor dem Ufer zum Stehen. &nbsp;„Do you Guys wonna have some fish?“ ruft uns
der Native im Boot zu. „Sure“ erwidern wir fast gleichzeitig. Flugs wechseln
ein mindestens 80cm großer Lachs und ein Six-Pack Budweiser den Besitzer. Wir
bekommen den Lachs und unser indianischer Wohltäter das Bier. So geht ein
schneller Handel in der Wildnis.</p>



<p>Der unerwartete Zuwachs unserer Vorräte freut uns riesig.
Spontan laden wir unseren Besucher zum Essen ein. Doch der hat leider noch jede
Menge zu tun, wie er uns erzählt. Eine Reihe von Fischrädern müssen noch vor
Einbruch der Dunkelheit kontrolliert werden. Mit aufheulendem Motor brauste
unser Kurzbesuch auf und davon.</p>



<p>Hätten wir gewusst, dass wir in Eagle unsere Biervorräte
nicht würden auffüllen können, wir hätten uns auf diesen Deal
höchstwahrscheinlich nicht eingelassen. </p>



<p>Bald ist nur noch das leise Motorengeräusch in der Ferne zu
vernehmen. Dann umgibt uns wieder völlige Stille. Der Lachs reicht für die
nächsten Tage. Lachs zum Frühstück, Lachs zum Abendessen – wir speisen wie die
Fürsten und sind im Lachsrausch!</p>



<p>Sorge bereitet uns&nbsp;jedoch die Tatsache, dass unser
Lachs auch für Bären ein kulinarischer Hochgenuss darstellt. Und von hungrigen Bären
haben wir wirklich genug. Weil uns keine bessere Lösung einfällt, packen wir
den Fisch in einen großen Müllbeutel und befestigen diesen unter dem Floß. Ob
das Meister Petz abhalten wird, ist mehr als fraglich! </p>



<p>Die Landschaft am Yukon hat sich in den letzten Tagen
merklich verändert. Wir haben bereits Mitte September und der Indian Summer mit
seiner Farbenpracht neigt sich dem Ende zu. Die Tage und besonders die Nächte werden
allmählich kühler. Alaska ist nun nicht mehr fern.</p>



<p>Auch die Landschaft verändert sich merklich. Der Fluss ist jetzt mehr von steilen Felsen und Höhenzügen umgeben. Immer wieder nutzen wir die Gelegenheit zu ausgedehnten Tagesexkursionen auf die Höhen rechts und links des Flusses. Einzigartige Ausblicke belohnen uns für die Mühen des Aufstiegs.<br><br></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Stefan-Yukon-Berg.jpg" alt="" class="wp-image-1547" width="680" height="442" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Stefan-Yukon-Berg.jpg 605w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Stefan-Yukon-Berg-300x195.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /><figcaption class="wp-element-caption">Grandiose Aussicht auf den Yukon River</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Das endgültige Aus? </h2>



<p>Bis Eagle ist es nicht mehr weit. Doch der Yukon hat noch
ein paar heftige Überraschungen für uns parat. Wieder einmal sitzen wir fest.
Eigentlich haben wir uns schon fast daran gewöhnt. Aber schnell merken wir,
dass es diesmal besonders ernst ist. Wie Blei liegt das Floß im seichten Wasser
auf Sand. Andre beschreibt die Ausweglosigkeit der Situation treffend mit den
Worten <em>„Jungs&#8230;das war’s&#8230;die Reise ist
zu Ende“</em>. Sollte das jetzt hier das definitive Aus sein? Irgendwann musste
es ja mal so kommen. Schließlich sollte man sein Glück nicht überstrapazieren. </p>



<p>Aber jetzt so kurz vor Alaska aufgeben? Das ist für uns
keine Option. Also müssen wir wieder schuften. Aber die Lage scheint dieses Mal
wirklich aussichtslos zu sein. Was wir auch tun, Josefine bewegte sich nicht
einen Millimeter.</p>



<p>Seit mehr als zwei Stunden versuchen wir das Floß durch
Hebeln irgendwie vorwärts zu bewegen. Unsere Kräfte sind am Ende und unsere
Zuversicht fast bei null. Bis zu den Hüften stehe ich im eiskalten Wasser des Yukon,
als ich plötzlich bis über die Knie im Treibsand versinke. Verzweifelt versuche
ich meine Füße herauszuziehen. Aber es gelingt mir nicht. Sie sind wie
einbetoniert. Panik will in mir aufkommen. Ich lasse mir nichts anmerken und
beruhige mich etwas. Was soll ich tun?</p>



<p>Raus aus den Stiefeln. Aber wie soll ich ohne Stiefel auf
der weiteren Reise klarkommen? Als ich im Begriff bin, meine Stiefel aufzugeben,
bemerkt Ralf meine missliche Lage und kommt mir zu Hilfe. Mit vereinten Kräften
gelingt es uns, mich inklusive Stiefel wieder aufs Floß zu ziehen.</p>



<p>Das war knapp. Wir gönnen uns nur eine kurze
Verschnaufpause, bevor die Plagerei weitergeht. Noch immer lässt sich Josefine nicht
bewegen.</p>



<p>Fast schon wollen wir resignieren. Wir versuchen es nochmals
mit vereinten Kräften. <em>„Los geht’s, haut
rein was das Zeug hält!“</em> Wir mobilisieren allerletzte Kraftreserven. Und
sieh da. Das Unmögliche geschieht. Das tonnenschwere Floß ruckelt ein wenig
vorwärts. <em>„Jetzt nur nicht nachlassen“</em>
brüllt Ralf. Und wieder ruckelt das Floß. Zwar nur ein wenig, aber immerhin, es
tut sich was. Das bringt uns die Zuversicht zurück und motiviert uns nochmals,
alles zu geben.</p>



<p>Wieder und wieder setzen wir die Stangen schräg unterhalb
der äußeren Stämme an und drücken diese dann auf Komando <em>„eins, zwei, drei und ruck“</em> nach vorne. Dies tun wir fast eine
Stunde, bis wir endlich wieder tieferes Wasser erreichen.</p>



<p>Da Josefine durch unser Körpergewicht einen stärkeren
Tiefgang hat, wagen wir zunächst nicht das Floß zu besteigen. So bleibt uns
nichts anderes übrig, als Josefine mit Tauen vom Ufer aus zu ziehen, bis wir
auf ausreichend tiefes Wasser und eine leichte Strömung stoßen.</p>



<p>Wir sind fix und fertig. Schaffen es aber noch irgendwo an Land zu gehen. Nach einem schnellen Abendessen kriechen wir todmüde und erschöpft in unsere Schlafsäcke.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Floßfahren ist ja so aufregend</h2>



<p>Immer wieder wurde unsere Bordroutine jäh unterbrochen.
Meistens dann, wenn wir uns auf dem Sonnendeck lümmeln und den lieben Gott
einen guten Mann sein lassen. Keiner achtet dann auf irgendwelche Hindernisse
vor uns.</p>



<p>So passiert es immer wieder, dass wir irgendwo festhängen.
Einmal mehrere Minuten in 45 Grad Schräglage &#8211; wie in einem Stauwehr, welche
man auf kleinen Flüssen bei uns zu Hause häufig findet. Instinktiv springen wir
auf die Sitzbank und klammern uns an die Hütte. Wir können nichts weiter tun
als hoffen, dass es gut geht. Unser Gepäck wird überflutet und drohte
weggespült zu werden.</p>



<p>Doch so schnell wie er gekommen war, ist der Spuk auch
wieder vorbei. Wie von Geisterhand gepackt, wird Josefine mit einem kräftigen
Ruck aus ihrer misslichen Lage regelrecht herauskatapultiert. Der Ruck ist
dermaßen heftig, dass wir dabei fast über Bord gehen.</p>



<p>Nur wenig später der nächste Zwischenfall. Vor uns tut sich urplötzlich
ein riesiger Strudel auf und Josefine fährt genau mitten rein. Wie die
Klammeraffen hängen wir wieder an unserer Hütte. Für einen Moment hält uns der
Strudel in seinen Klauen gefangen, als könne er sich nicht entscheiden, ob er
uns in die Tiefe ziehen soll oder nicht.&nbsp;
Als er uns freigibt, atmen wir alle tief durch. <em>„Ich hätte nie gedacht, dass Floßfahren so aufregend sein kann“ </em>kommentierte
Andre die Situation.</p>



<p>Gestern hatten wir durch Unachtsamkeit ein Ruder eingebüßt. Irgendwie gelang es uns aber doch, an einer Insel anzulegen. Aus einer Birke und einer Planke vom Sonnendenk, zimmerten wir ein neues Ruder. Auf unserer Verlustliste stehen mittlerweile einige wichtige Gegenstände. Besonders schmerzhaft ist der Verlust einer Eisenstange, unseres geliebten Kaffeekessels, und ein Essbesteck.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Elche und Bären haben Vorfahrt</h2>



<p>Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Bohnen und Speck sind wir bereits früh auf dem Fluss unterwegs. Als wir gerade dabei sind, nach einer saukalten Nacht die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages zu genießen, tritt plötzlich ein riesiger Elch vor uns aus dem Uferdickicht. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Elch-Yukon.jpg" alt="" class="wp-image-1549" width="693" height="444" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Elch-Yukon.jpg 604w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Elch-Yukon-300x192.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 693px) 100vw, 693px" /><figcaption class="wp-element-caption">Besuch von einem Elch</figcaption></figure>
</div>


<p>Zunächst hatte es den Anschein, als wolle er den Fluss noch vor unserem Floß durchschwimmen. Elche haben schließlich Vorfahrt, denn wir sind die Eindringlinge. Doch er überlegt es sich anders. Unser Floß scheint ihn zu irritieren. Er wartet ab, bis wir vorbei sind. Die ganze Zeit beäugt er uns misstrauisch und lässt uns nicht aus den Augen. Erst als er gut hundert Meter Abstand zu uns hat, steigt er behäbig ins Wasser, bis nur noch sein Kopf mit dem prächtigen Geweih zu sehen ist. Mit kräftigen Schwimmstößen überquert er zügig den Yukon, der an der Stelle etwas schmäler ist. Er hat die Stelle zum Überqueren also klug gewählt. Als er nach wenigen Minuten wieder aus dem Wasser steigt, verharrt er und schaut uns nach. Er lässt uns so lange nicht aus den Augen, bis wir aus seinem und er aus unserem Blickfeld entschwunden ist.</p>



<p>Nur kurze Zeit später taucht ein Grizzly am Ufer auf. Obwohl wir schon häufig auf Spuren von Grizzlybären gestoßen sind, bekommen wir heute zum ersten Mal ein Exemplar zu Gesicht. Gott sein Dank in respektabler Entfernung. Wir sind uns einig: Auf weitere Bärenbekanntschaften legen wir keinen Wert! </p>



<p>Kurz nach dem Grizzly trollt sich ein Schwarzbär am Ufer. Der interessiert sich aber nicht groß für uns. Solche Begegnungen mit der heimischen Fauna, sind unbeschreiblich schön und machen ein gutes Stück des Reizes einer solchen Reise aus. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Baer-Ufer.jpg" alt="" class="wp-image-1550" width="680" height="427" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Baer-Ufer.jpg 559w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Baer-Ufer-300x188.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /><figcaption class="wp-element-caption">Und schon wieder ein Bär</figcaption></figure>
</div>


<p>Am Abend folgt ein weiterer Höhepunkt: Nein &#8211; keine weitere Tierbegegnung. Ich gönne mir endlich mal wieder eine gründliche Ganzkörperwäsche. Ich fühle mich wie neugeboren.</p>



<p>Als ich zurück zum Floß komme, höre ich wie Andre wettert: <em>„Ich glaube du tickst nicht ganz richtig, du kannst doch nicht einfach deine Stinksocken in unserem Kochtopf auskochen“.</em> Mir war sofort klar, es konnte sich nur um Ralfs Socken handeln. Ich musste lachen, denn Ralf war sich keiner Schuld bewusst. Aber die Küche war nun mal Andres Heiligtum und offen gesagt, wochenlang getragene Wollsocken haben wirklich nichts in unserem einzigen Kochtopf verloren! Wirklich böse konnten wir ihm aber nicht sein. Im Gegenteil. Solche Schmunzelgeschichten steigern den Erlebniswert ungemein.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">„Welcome to Alaska“ oder warum ganz Eagle über uns lacht</h2>



<p>In Eagle/Alaska müssen wir unbedingt einklarieren, denn die
Amerikaner verstehen diesbezüglich keinen Spaß. Eagle liegt am linken Ufer. Auf
Höhe der Ortschaft teilt sich der Yukon in zwei Arme. Wir müssen unbedingt den
linken Flussarm erwischen – sonst wars das mit Eagle und der offiziellen
Einreise in die Staaten. Auf dem Fluss hat man dann keine Chance mehr Eagle zu
erreichen. Dort, wo die beiden Flussarme wieder zusammentreffen, ist man durch
die zum Yukon steil abfallenden Wände des Berges „Eagle Bluff“, von Eagle abgeschnitten.</p>



<p>Frühzeitig halten wir uns daher am linken Ufer. Alles
scheint problemlos. Doch genau in dem Moment, wo wir ihn überhaupt nicht
gebrauchen könne, kommt böiger Wind auf. Dieser drückt uns wieder Richtung
Strommitte.&nbsp; <em>„Was für eine Scheisse.
Los… an die Ruder Männer.“</em> Wir Rudern, als ginge es um unser Leben. Doch
alle Anstrengung ist umsonst. Wenige Meter vor der Spitze der Insel wird das
Floß in einem eleganten Schwung von der Strömung in den rechten Flussarm
getragen. Wir haben wieder verloren. Es ist bitter ohne Ende!</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie wir ein 2-Tonnen-Floß gegen die Strömung ziehen</h3>



<p>Völlig ausgepumpt und entnervt lassen wir die Ruder sinken.
Wir schaffen es gerade noch am Ende der Insel, die uns von Eagle trennt,
anzulegen. Wir sind so dermaßen gefrustet! Eagle ist so nah und doch so fern! <em>„Lasst uns das Floß auf der anderen Seite
der Insel gegen die Strömung bis zur Inselspitze ziehen und dann nach Eagle ans
andere Ufer übersetzen.“ „Du spinnst doch, leichter gesagt als getan!“</em>.
Andres Vorschlag klingt verwegen und stößt bei Ralf und mir auf wenig
Gegenliebe. <em>Wie soll das denn gehen?</em>
Fragen wir uns und ihn.</p>



<p>Aber… haben wir eine&nbsp;andere Wahl? Nein. Es ist zumindest einen Versuch wert. Während Andre und ich das 2-Tonnen-Monstrum Meter für Meter gegen die Strömung ziehen, bleibt Ralf an Board, um das Floß mit der Abstoßstange vom Ufer wegzustoßen. Wir plagen uns wie zwei Ackergäule, müssen immer wieder verschnaufen. Sofort greift die Strömung nach dem Floß und will uns die gewonnenen Meter wieder streitig machen. Wir legen uns mit unserem gesamten Körpergewicht in das Seil mehrmals&nbsp;treten wir einfach auf der Stelle und gewinnen nicht einen Zentimeter. Die Anstrengung ist mörderisch. Andre schnauft neben mir: <em>„Schau dir mal Ralf an. Der steht da auf seine Abstoßstange gestützt wie der heilige Christophorus und hat mal wieder den besten Job erwischt“! </em>Wie Recht er hatte.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Wir verpassen Eagle</h3>



<p>Nach eineinhalb Stunden Schinderei haben wir die Inselspitze erreicht. Jetzt gilt es! Unsere letzte Chance! Es bleiben uns ganze 300 Meter, um den gesamten linken Flussarm zu überqueren und das Ufer von Eagle zu erreichen. Na, wenn das mal gut geht!? Wir stoßen Josefine kräftig vom Ufer ab und rudern, als wäre der Teufel hinter uns her. Das Blut dröhnt in meinem Kopf. Jetzt nur nicht nachlassen! Aber es sollte nicht reichen! Alle Anstrengung ist umsonst! Entsetzt müssen wir zusehen, wie wir an Eagle vorbeitreiben. Erst hinter dem Eagle Bluff schaffen wir es anzulegen. Wir fluchen und schimpfen wie die Rohrspatzen. Durch die steil abfallenden Felswände ist uns der Landweg nach Eagle versperrt. Bliebe nur der Weg über den Berg. Allerdings kann sich, außer Ralf, niemand von uns so richtig dafür begeistern. Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt.</p>



<p>Selten haben wir uns auf unserer Reise so hilflos gefühlt. Wortlos schlagen wir unser Lager auf und machen Feuer. Anschließend diskutieren wir nochmal unsere Lage. Eine wirkliche Lösung fällt uns nicht ein und so beschließen wir, die Nacht hier zu bleiben. Morgen früh sehen wir vielleicht klarer. Wortkarg kriechen wir in unsere Schlafsäcke.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein ausgewanderter Bayer als unser Retter in der Not</h3>



<p>Früh am Morgen vernehmen wir ein Motorengeräusch. Es nähert sich ein Boot und kommt geradewegs auf uns zu. Als er anlegt werden wir in breitestem Bayerisch gefragt: „Hoabt‘s a Problem?“ Der Skipper ist ein ausgewanderter Bayer, der gerade vom Fischen kommt. Mit wenigen Worten erläuterten wir ihm unsere Lage. Er aber scheint überhaupt nicht überrascht, gerade so, als hätte er alles mitangesehen. Jetzt dämmert es uns. Weil sich die gestrige Aktion ja direkt vor Eagle &#8211; quasi wie auf dem Präsentierteller &#8211; abgespielt hat, muss mindestens der halbe Ort unser klägliches Scheitern beobachtet haben. Und ich wette, man hat sich köstlich darüber amüsiert. Egal, da müssen wir jetzt durch, hauptsache wir sind „gerettet“ und können nun legal in die USA einreisen. </p>



<p>Als unser Helfer in der Not uns in Eagle absetzt, suchen wir umgehend den Officer für die Einreise auf. Der Formalitätenkram läuft ungewöhnlich entspannt, quasi auf der Straße ab. Alaska ist eben einfach lockerer als der Rest der Staaten.</p>



<p>Eagle soll uns primär als Versorgungsstation dienen. Weil wir hier auch unsere Biervorräte, die bedrohlich zur Neige gehen, auffüllen wollen, sind wir richtig gut drauf. Doch dann der Schock, denn man lässt uns wissen; „Eagle is a dry town“. Im Klartext bedeutet das: es gibt hier im Umkreis von 50 Meilen weder Bier noch sonstige alkoholischen Getränke zu kaufen. Wir wollen es erst nicht glauben und sind geschockt. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Jäger, Sandsturm und ein herrliches Weihnachtsgeschenk</h2>



<p>Endlich sind wir wieder unterwegs auf dem Fluss. Der Yukon meint es gut mit uns. Heute haben wir den Seventy-Mile-River passiert. Am Abend laden uns zwei Jägern in ihr Camp ein. Ein großes Gemeinschaftszelt steht auf einem breiten, sandigen Uferstreifen. Nach einer netten Abendunterhaltung sind wir todmüde. Im Zelt halten wir es aber nicht lange aus, denn unsere beiden Jäger schnarchen wie die Weltmeister.  Deshalb suchen wir unsere Ruhe unter freiem Himmel. Allerdings entpuppt sich auch das als ein Schuss in den Ofen. Der Grund dafür ist ein heftiger Sturm, der wegen des sandigen Bodens einem Sandsturm gleich kommt.  Der Sand dringt in Augen, Ohren, Nase – einfach überall ein. Deswegen sehen wir morgens wie panierte Schnitzel aus!</p>



<p>Die letzten Tage auf dem Fluss. In der Nähe vom Coal Creek beziehen wir Quartier im Slaven‘s Roadhouse. Warum Roadhouse fragen wir uns, denn eine Straße gibt es hier allerdings nicht. Es handelt sich um eine gemütliche Hütte, die dem berühmten Hundeschlittenrennen „Yukon Quest“ als Zwischenstation dient. Weil die Haupthütte von einheimischen Jägern belegt ist, bleibt für uns nur die wesentlich kleinere Nebenhütte. </p>



<p>Als es abends an der Tür klopft und ich öffne, steht einer der Jäger mit einem Revolver in der Hand vor mir. Ich erschrecke mich fast zu Tode. Dies scheint er zu bemerken, denn er lässt umgehend ide Hand mit dem Revolver sinken und entschuldigt sich bei mir. Den Revolver habe er nur, um für die Begegnung mit einem Bär gewappnet zu sein. Deswegen ist er entsetzt, als wir ihm sagen, dass wir bereits Wochen ohne Waffe auf dem Yukon unterwegs sind. <em>„You guys must be crazy, lots of bears around here.“</em> </p>



<p>Warum er hier ist sagt er uns dann. Es folgt eine Einladung zum Abendessen, über die wir uns riesig freuen. Und das nicht ganz uneigennützig, schließlich spekulieren wir auf ein kühles Bier und saftige Elchsteaks. </p>



<p>Leider wird daraus nichts, denn statt Steaks gibt es Dosenfleich und zu dritt müssen wir uns zwei Dosen Bier teilen. Dennoch ist das ein feiner Zug von ihnen, denn es sind ihre letzten Biervorräte, die sie brüderlich mit uns teilen. Es wird ein lustiger und unterhaltsamer Abend. Spannende Anekdoten, wohl auch gespickt mit etwas Jägerlatein, machen die Runde. Allerdings werde die Vier nicht müde, uns für verrückt zu erklären. Die Tatsache, dass wir ohne Waffe viele Wochen in der Wildnis unterwegs sind, können sie einfach nicht begreifen.</p>



<p>Als die Jäger am nächsten Tag abreisen, haben sie eine noch eine tolle Überraschung für uns parat. Auf einem Tisch in der Hütte haben sie ihren restlichen Proviant aufgebaut. Und vor diesem steht auf einem Stück Pappe geschrieben: <em>„Merry Christmas – your hunters“</em>.&nbsp; Wir sind gerührt. Nach der langen Einsamkeit auf dem Fluss wirkt diese &#8222;Extra-Dosis Menschlichkeit&#8220; besonders intensiv. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Drei Eifelaner im Goldrausch am Yukon</strong></h2>



<p>Einer der Jäger hatte uns erzählt, dass ein Goldsucher vor ein paar Jahren ganz hier in der Nähe einen walnussgroßen Goldnugget gefunden hat. Mit dem Resultat, dass wir jetzt vom Fieber – vom Goldfieber gepackt sind. Es war der Startschuss für unseren kurzen, aber heftigen Goldrausch am Yukon. Für diesen Zweck hatten wir uns bereits in Whitehorse Goldwaschpfannen gekauft und die sollten nun endlich zum Einsatz kommen.</p>



<p>In der Nähe der alten Gold Dredge versuchen wir unser Glück. Schnell bemerkten wir, Goldwaschen mit der Pfanne bedarf einiger Übung. Und die fehlte uns. Sollte in dem Sand, welchen wir in unseren Pfannen hin und her wirbeln tatsächlich Goldstaub sein, so befördern wir diese ganz sicher mit dem Sand immer wieder aus der Pfanne. Obwohl wir uns nicht wirklich geschickt anstellen, haben wir unseren Spaß dabei. So fühlt sich also echtes Goldfieber an. </p>



<p>Jetzt kann ich noch besser nachvollziehen, wie sich der Goldrausch am Yukon damals vor hundert Jahren für die Goldsucher angefühlt haben muss.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="520" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Goldwaschen-1.jpg" alt="Eifler Goldrausch am Yukon ,ot Goldwaschpfanne" class="wp-image-1655" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Goldwaschen-1.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Goldwaschen-1-300x195.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/03/Goldwaschen-1-768x499.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eifler Goldrausch am Yukon</figcaption></figure>



<p>Andres Bemühungen, Gold zu waschen arten schon bald in eine Matscherei aus. Ralf geht die Sache etwas ruhiger an und pickt akribisch nach jedem glitzernden Körnchen, das nur irgendwie nach Gold aussieht. </p>



<p>Immer wieder wird die Stille durch unsere lauten Jubelrufe <em>&#8222;Gold, Gold, ich hab Gold gefunden&#8220;</em> oder <em>&#8222;Jungs..wir sind reich&#8220;</em> unterbrochen.  Meist rasch gefolgt von einem Ausruf der Enttäuschung <em>&#8222;Scheiße, schon wieder nur Katzengold.&#8220;</em></p>



<p>So geht das eine ganze Weile weiter, bis wir dann doch irgendwann die Lust verlieren. Sollte halt nicht sein, mit dem schnellen Reichtum. </p>



<p>Als wir dann wieder auf dem Fluss unterwegs sind, versuchen wir immer mal wieder unser Glück als Goldwäscher. Leider immer ohne Erfolg. Es soll einfach nicht sein mit dem großen Goldfund. Das ist für uns völlig ok, denn wir hatten ihn dennoch &#8211; unseren ganz persönlichen Goldrausch am Yukon. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das dicke Ende oder „Lost in the Flats“</h2>



<p>Wir genießen unsere letzten Tage auf dem Fluss nicht mehr so wirklich. Seit Tagen schon weht ein eisiger Nordwind und der anfängliche Regen geht in Schnee über. Es wird allmählich Winter in Alaska. Immer häufiger sehen wir Kanadagänse, die ihren Weg nach Süden nehmen. </p>



<p>Es gibt noch einen weiteren Grund, warum es Zeit wird, das Ziel unserer Reise bald zu erreichen. Josefine schwächelt. Will bedeuten, das Floß liegt verdammt tief im Wasser und wird immer öfter von Wellen überspült. Die Stämme haben sich mit der Zeit immer mehr mit Wasser vollgesogen. Ein ganz natürlicher Prozess. Ein Floß hält eben nicht ewig.</p>



<p>Das bedeutet aber auch für uns, dass wir nicht mehr alle Mann auf einer Seite des Floßes stehen können, denn dann stehen wir bis zum Rand unserer Stiefel im Wasser. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das Ladegewicht zu reduzieren. So trennen wir uns von unserem Ofen, der uns treue Dienste geleistet hat und auch unser letzter Brennholzvorrat geht schweren Herzens über Board.</p>



<p>Es wird einfach Zeit, dass wir ankommen!</p>



<p>Dieser ist hier merklich breiter und teilt sich in zahlreiche Arme. Der Beginn der berühmt berüchtigten Yukon Flats. Die bestehen aus einem unübersichtlichen Gewirr von Flussarmen und unzähligen Inseln. Und die ziehen sich über hunderte Kilometer, an manchen Stellen bis zu 300 Kilometer breit. So manchem Flussfahrer wurden die Flats zum Verhängnis. Unser Endziel Circle City liegt aber Gott sei Dank noch am Anfang der Flats</p>



<p>Womit wir deshalb auch überhaupt nicht mehr gerechnet haben ist, dass wir am Ende unserer Reise nochmals in arge Nöte geraten würden. Der Grund dafür ist der Umstand, dass wir komplett die Orientierung verloren haben. Wir wissen weder genau, wo wir sind, noch wo wir lang müssen, um Circle City zu erreichen. Was passiert, wenn wir Circle verfehlen, daran will keiner von uns auch nur denken. Dann wären wir „lost in the Flats!“</p>



<p>In dem Gewirr der verzweigten Flussarme können wir unsere Position in unserer Flußbeschreibung einfach nicht finden. Dieser können wir hier absolut nicht mehr vertrauen, denn der Yukon verändert ständig seinen Lauf. Wie sollen wir in diesem Labyrinth je nach Circle finden? </p>



<p>Nun, ich mache es kurz, auch hier kommt uns der glückliche Zufall zu Hilfe.  Mit hoher Geschwindigkeit nähert sich ein Boot und legt seitlich am Floß an. <em>„Guys, you are wrong“</em>. Mit wenigen Worten erklärt uns der Fahrer den richtigen Weg. Unglaublich, welches Glück wir auch diesmal wieder haben. Bald schon tauchen in der Ferne die Häuser von Circle City auf. Wir haben unser Endziel erreicht.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Schluss, Aus, Ende</h2>



<p><strong>Unser Abenteuer ist vorbei. Selbst die schönste Reise geht irgendwann einmal zu Ende. Und das muss sie auch, denn wie sonst sollte man den Daheimgebliebenen die unzähligen abenteuerlichen Geschichten, die man erlebt hat, erzählen. Eigentlich kann man die gar nicht erzählen. Und der Grund dafür ist: Man muss sie einfach selbst erleben. </strong></p>



<p><strong>Auch ohne Goldfund kehren wir reich nach Hause zurück. Reich an abenteuerlichen Erlebnissen, die mehr wert sind, als alles Gold dieser Welt. Echte Abenteuer eben! Und die wirken bis in alle Ewigkeit. </strong><br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Abschied von Josefine</h2>



<p>Nochmals werfen wir einen letzten wehmütigen Blick auf
unsere abgetakelte Josefine, die uns in den letzten 8 Wochen zum geliebten
Zuhause wurde. Unsere Komfortzone sozusagen. Mit ihr lassen wir eine
wunderschöne gemeinsame Zeit zurück – eine Zeit voller Abenteuer. Noch oft
werden wir an die Tage auf dem Floß und die langen Abende am Lagerfeuer
zurückdenken. 3 Tage später steigen wir in den kleinen Postflieger, der uns
nach Fairbanks bringt.</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/flossfahrt-yukon/">Floßfahrt nach Alaska: Drei Männer, drei Bären und ein Floß</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Atacama Wüste extrem: Alleine zu Fuß durch die trockenste Region der Erde</title>
		<link>https://hieronimus.com/atacama-wueste-durchquerung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 08:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
		<category><![CDATA[Expeditionen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://lockeramlimit.de/?p=1567</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zu Fuß durch die trockenste Wüste der Erde, die Atacama Wüste in Chile. Und dass auch noch alleine, ohne jegliche Unterstützung von außen. Ich muss zugeben, mein Vorhaben klang verwegen. Aber genau so sollte mein neues Wüstenprojekt aussehen. Was ich beim Start allenfalls ahnte, auch diese Expedition sollte eine Tour zwischen Genuss und Tortur werden. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/atacama-wueste-durchquerung/">Atacama Wüste extrem: Alleine zu Fuß durch die trockenste Region der Erde</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Zu Fuß durch die trockenste Wüste der Erde, die <strong>Atacama Wüste in Chile.</strong> Und dass auch noch alleine, ohne jegliche Unterstützung von außen. Ich muss zugeben, mein Vorhaben klang verwegen. Aber genau so sollte mein neues Wüstenprojekt aussehen. </p>



<p>Was ich beim Start allenfalls ahnte, auch diese Expedition sollte eine Tour zwischen Genuss und Tortur werden. Aber genau das ist es ja, was mich an Projekten dieser Art so fasziniert.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Abenteuer_beginnt.jpg" alt="" class="wp-image-1980" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Abenteuer_beginnt.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Abenteuer_beginnt-300x225.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Abenteuer_beginnt-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Abenteuer beginnt</figcaption></figure>



<p>Wie immer vor einem solchen ungewissen Trip, waren die Wochen davor mit allerlei hektischer Betriebsamkeit ausgefüllt. Schon Monate vor dem eigentlichen Start einer Expedition, bin ich im Geiste unzählige Male vor Ort.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Atacama Wüste im Kopf</h2>



<p>In dieser Phase lege ich das Fundament, für das Gelingen meines Vorhabens. Wohlwissend, dass Vieles dann doch anders kommen wird. Aber genau das ist ja das Faszinierende daran. Der Spagat zwischen sorgfältiger Planung und der Flexibilität, auf unvorhersehbare Ereignisse unterwegs eine schnelle, zielführende Lösung zu finden.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_1.jpg" alt="" class="wp-image-1922"/><figcaption class="wp-element-caption">Tierisches Vergnügen in der Atacama Wüste</figcaption></figure>



<p>So holte ich mir gewissermaßen die Atacama Wüste nach Hause, weil ich Im Geiste bereits unzählige Male in ihr unterwegs war. Ich vertiefte mich in die Karten und Satellitenaufnahmen und machte mir &#8211; so gut es eben ging &#8211; ein genaues Bild von dem, was mich dort erwarten würde. Zu meiner Vorbereitung gehört auch ein spezielles Mentaltraining. </p>



<p>Ich gehe so konkret wie möglich alle Knackpunkte der Tour vor dem geistigen Auge durch und visualisiere die Strategien, die ich mir für deren erfolgreiche Bewältigung, zurechtgelegt habe.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wo kein Weg und kein Wasser ist</h2>



<p>Die größte Schwierigkeit im Vorfeld der Durchquerung der Atacama Wüste, war die Routenplanung und das Anlegen von Wasserdepots. Letzteres war besonders von Bedeutung, denn auf meiner geplanten Route würde ich nirgendwo die Gelegenheit haben, Wasser aufzunehmen. </p>



<p>Ich kalkulierte den täglichen Wasserverbrauch auf 6-8 Liter. Aus Gewichtsgründen würde ich also immer nur für maximal zwei Tage Wasser auf meinem Gepäckanhänger mit mir führen können.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_3.jpg" alt="" class="wp-image-1924"/><figcaption class="wp-element-caption">Bizarre Felsformationen und jede Menge Salz</figcaption></figure>



<p>Die Route plante ich mit Hilfe von Google Maps. Die Satellitenaufnahmen ließen aber nur bedingte Rückschlüsse auf das Gelände zu. An welcher Stelle ich genau die ein oder andere Gebirgskette überqueren konnte, musste ich wohl erst vor Ort im Detail entscheiden. Ich plante ebenso gut wie nur eben möglich.&nbsp; </p>



<p>Besondere Sorgfalt war bei der Planung der Wasserdepots geboten, denn die musste ich ja später auf jeden Fall finden, sonst würde die Expedition in einem Fiasko enden. Sie waren sozusagen meine Lebensversicherung.</p>



<p>In 10 Tagen habe ich die trockenste Wüste der Welt im Norden Chiles zu Fuß und damit Chile von Ost nach West durchquert. Die Gesamtlänge der Route betrug 406 Kilometer. Startpunkt war die argentinische Grenze östlich von Sand Pedro de Atacama auf 5000m über Meereshöhe. </p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama-Salzlandschaft_2.jpg" alt="" class="wp-image-1971"/><figcaption class="wp-element-caption">Salz</figcaption></figure>



<p>Zielpunkt war Antofagasta, die zweitgrößte Stadt Chiles, an der Pazifikküste sein. Ich war dabei komplett auf mich alleine gestellt und habe meine Ausrüstung und Verpflegung für die ganze Strecke auf einem umgebauten Fahrradanhänger hinter mir hergezogen. </p>



<p>Das Startgewicht des Anhängers betrug ca. 30 Kilogramm. Die Wasserversorgung stellte ich durch vorher angelegte Wasserdepots sicher.</p>



<p><strong>Besondere Schwierigkeiten unterwegs:</strong> Schlimme Blasenbildung an den Füßen, heftiger Reizhusten, schweres Vorankommen auf sandigem und steinigem Untergrund, Festsetzung durch Sicherheitsleute einer Minengesellschaft, letztes Wasserdepot verschüttet.<br><br></p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_salzlandschaft.jpg" alt="" class="wp-image-1975" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_salzlandschaft.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_salzlandschaft-300x225.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_salzlandschaft-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">bizarrer geht es kaum</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Endlich gehts los &#8211; Aufbruch nach Chile</h2>



<p>Nach meiner Ankunft in Antofagasta nahm ich den gebuchten Geländewagen in Empfang und machte mich sofort auf den Weg. Ich versuchte immer so nah wie möglich an die geplanten Depots heranzukommen. </p>



<p>Doch einige der Koordinaten erreichte ich nur über längere Märsche. Ich trug dann zwei 1o-Liter-Wasserkanister im Rucksack bis zur geplanten Stelle und markierte das Depot mit einem blauen Fähnchen.</p>



<p>Ich legte so in den ersten 3 Tagen bereits mehr als 60 Kilometer zurück. Die Logistik-Märsche hatte ich bewusst so geplant, waren sie doch eine exzellente Eingewöhnung und dienten mir vor allem auch zur Akklimatisierung. </p>



<p>Letzteres war besonders wichtig, denn mein Startpunkt an der argentinischen Grenze befand sich immerhin auf 5000 m Höhe. Auch wenn mein Ziel Antofagasta direkt am Meer lag, verlief der Großteil meiner Route auf einer Höhe von ca. 2500 Metern über Meeresniveau.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Nach Argentinien bitte schön</h2>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_2.jpg" alt="" class="wp-image-1923"/><figcaption class="wp-element-caption">Mein Startpunkt</figcaption></figure>



<p>Endlich war ich richtig unterwegs. Ein Tour Bus hatte mich an der Grenze zu Argentinien, meinem Startpunkt, abgesetzt. Ich wurde damit innerhalb kürzester Zeit von knapp 2300 auf 5000 Höhenmeter befördert. Und dies bekam ich schon bald zu spüren. </p>



<p>Wie immer war ich auf den ersten Kilometern regelrecht euphorisch. Ich genoss das unbeschreibliche Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung und war voll freudiger Erwartung auf das bevorstehende Abenteuer Atacama Wüste.</p>



<p>Der Tag hatte denkbar ungünstig begonnen. Ich hatte doch glatt meinen Uhrwecker verpennt und so den Tour Bus, der mich eigentlich mitnehmen sollte, verpasst. Also lief ich ein Stück aus San Pedro heraus und versuchte mich als Anhalter. </p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Grenzstation.jpg" alt="" class="wp-image-1972"/><figcaption class="wp-element-caption">Grenzstation nach Argentinien</figcaption></figure>



<p>Nun ist auf dieser Strecke nicht gerade viel los, aber trotzdem hatte ich das Glück, den wohl letzten Tour Bus, der San Pedro verließ zu überzeugen, dass er mich unbedingt mitnehmen müsste. Was dieser dann gegen ein saftiges Entgelt auch tat.</p>



<p>Jetzt war alles gut! Es bot sich mir ein grandioser Blick über schneebedeckte Vulkangipfel der Anden und die Atacamawüste lag in ihrer ganzen Pracht und endlosen Weite zu meinen Füßen. Ein wolkenloser, tiefblauer Himmel bot den passenden Kontrast dazu. Einfach grandios. </p>



<p>Vergessen war damit der etwas holprige Start in den Tag. Doch es sollte noch viel holpriger werden.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Intro mit reichlich Quälerei</h2>



<p>Ich war zügig unterwegs. Doch schon bald merkte ich, wie sich meine Atemfrequenz steigerte und ich immer kurzatmiger wurde. Zudem bekam ich Kopfschmerzen. Ich fühlte mich schlagartig um Jahre gealtert. Die Höhe forderte ihren Tribut. </p>



<p>Das Fortbewegen wurde so schnell mühsamer als ich es je zuvor erlebt habe. Zum Glück begann das Terrain bald wieder zu fallen und die Symptome ließen nach ein paar Stunden wieder nach.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_4.jpg" alt="" class="wp-image-1926"/><figcaption class="wp-element-caption">Die Anstrengung steht mir im Gesicht!</figcaption></figure>



<p>Der wahre Feind sollte von ganz anderer Seite kommen. Wie sich schon bald herausstellte, hatte ich mich für die falschen Schuhe entschieden. Ich hatte mich für einen sogenannten Approach-Schuh, der speziell für den Zustieg zum Berg über steiniges Terrain gedacht ist, entschieden. Das sollte sich rächen. </p>



<p>Der Schuh war zwar leicht und bot genug Halt, hatte jedoch keine seitlich vernähte Zunge. Er ließ sich nicht optimal schnüren und durch das Gehen entstanden im Leder kleine Wölbungen, in die immer wieder kleine Steine eindrangen. Mit der Konsequenz, dass sich innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Blasen entwickelten.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Sollte meine Durchquerung der Atacama Wüste bereits am ersten Tag scheitern?</h2>



<p>Das kam für mich überhaupt nicht in Frage! Also musste eine schnelle Lösung her. So beschloss ich, zurück nach San Pedro zu gehen, in der Hoffnung, mir dort einen wüstentauglichen Schuh besorgen zu können. Zwar war San Pedro de Atacama Ausgangspunkt vieler Outdoor-Aktivitäten, aber das Angebot an vernünftiger Ausrüstung doch sehr bescheiden. </p>



<p>Um es kurz zu machen, ich hatte keine Auswahl, denn es gab überhaupt nur ein Paar Trecking Schuhe in meiner Schuhgröße, dass in Frage kam. Trotzdem war ich überglücklich, denn ansonsten wäre wirklich an der Stelle schon Schluss gewesen.</p>



<p>Meine Freude über den Fortgang der Expedition wurde nur durch meine arg ledierten Füße getrübt. Wegen des Umwegs über San Pedro, wuchs meine Marschstrecke am ersten Tag auf über 60 Kilometer. </p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_5.jpg" alt="" class="wp-image-1933"/><figcaption class="wp-element-caption">Die Atacama Wüste bietet unglaubliche Farbkontraste</figcaption></figure>



<p>Meine Füße fühlten sich wie ein einziger matschiger, blutiger, schmerzender Klumpen Fleisch an und meine Leidensfähigkeit wurde bereits am ersten Tag arg auf die Probe gestellt.</p>



<p><strong>Es sollte aber längst nicht die letzte Probe meiner
Leidensfähigkeit und Geduld auf dieser Tour sein!</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein steiniger Weg mit Hindernissen</h2>



<p>&#8222;Durchs Meer der Steine&#8220;, so der Titel des
Artikels, der in der Rhein-Zeitung über meine Durchquerung der Atacama-Wüste
erschienen ist. Die Atacama ist tatsächlich eine riesige Steinwüste, weitgehend
ohne Wasservorkommen.</p>



<p>So war meine größte Sorge, ob ich die von mir im Vorfeld der
Wüstendurchquerung angelegten Wasserdepots auch finden würde.</p>



<p>Daher war es ein gutes Gefühl, mein erstes Wasserdepot nach
meinem unfreiwilligen Umweg über San Pedro unversehrt&nbsp;vorzufinden. Ich war
glücklich. Aber auch unruhig, denn am nächsten Morgen musste ich einen Weg
durch einen Höhenzug, die Domeyko, finden.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_6.jpg" alt="" class="wp-image-1934"/><figcaption class="wp-element-caption">Wasser ist Leben!</figcaption></figure>



<p>Deswegen brach ich früh am nächsten Morgen auf. Nach einigen erfolglosen Versuchen einen Durchgang durch die steilen Felswände zu finden, stieß ich auf eine sich am Boden wage abzeichnende Fahrspur. </p>



<p>Es war nicht wirklich ein Weg auszumachen, aber ich wusste, dass die Einheimischen mit Geländefahrzeugen gerne auch querfeldein unterwegs sind. Somit hoffte ich, dass die Spur auch tatsächlich ganz durch die Domeyko führen würde.</p>



<p>Diese machte zahlreiche Windungen tief in diese bizarre Felsenlandschaft hinein. Navigieren mit Kompass war nicht mehr möglich. Das GPS war eh nutzlos. Also konnte ich nur noch der Spur in der Hoffnung folgen, dass der Weg konsequent aufs Hochplateau führen würde. Und so war es dann auch.&nbsp; </p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Zelt_Domeyko.jpg" alt="" class="wp-image-1976" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Zelt_Domeyko.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Zelt_Domeyko-300x225.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Zelt_Domeyko-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Camp vor dem Aufstieg zur Domeyko</figcaption></figure>



<p>Aber es war echte Schwerstarbeit. Nur mühsam schleppte ich meinen 25 kg schweren Anhänger Meter für Meter in die Höhe. Zudem quälten mich die zerschundenen Füße.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Schinden, Quälen und Hochgenuss</h2>



<p>Meine Zehnen brannten wie Feuer. Jeder Schritt wurde zur
Qual. Jeder Druckpunkt, besonders wenn der Fuß tief in den weichen
Gerölluntergrund einsank, verursachte höllische Schmerzen.</p>



<p>Ich versuchte den Schmerz durch die Verringerung der
Abrollbewegung etwas zu mindern, was sich aber als sehr kraftraubende Art des
Gehens herausstellte. Ich fluchte und haderte mit meinem Schicksal. Auch an dem
Hersteller des ersten Paar Schuhe ließ ich kein gutes Haar. Obwohl ich wusste,
dass es letztlich mein Fehler war.</p>



<p>Doch alles Jammern half mir nicht wirklich weiter. So
schaltete ich in den sogenannten &#8222;Leidensmodus&#8220;, einen mentalen
Zustand, den ich mir angeeignet hatte, um klaglos extreme Situationen
anzunehmen und aushalten können. Und was soll ich sagen, es funktionierte mal
wieder prächtig!!</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/P1000131.jpg" alt="" class="wp-image-1935"/><figcaption class="wp-element-caption">Dieser tierische Wüstengänger hat es nicht geschafft!</figcaption></figure>



<p>Abends im Zelt konnte ich vor Schmerzen oft stundenlang nicht einschlafen. Es hatten sich nämlich noch zwei weitere Umstände hinzugesellt, die meine Leidensfähigkeit aufs äußerste strapazierten. Ich wurde ab dem dritten Tag von einem heftigen, trockenen Reizhusten gequält. </p>



<p>Manchmal hatte ich das Gefühl, es würde mir beim Husten meine Lungenflügel zerreißen. Meine Atemwege fühlten sich wie mit Schmirgelpapier bearbeite an.</p>



<p>Und als ob das alles nicht mehr als genug an Leiden bedeutet
hätte, waren meine Lippen komplett sonnenverbrannt. Und das obwohl ich sie mit
einem guten Lippenschutzbalsam regelmäßig eingerieben habe. Die stundenlange
Strahlung der gnadenlos von einem vollkommen wolkenlosen Himmel scheinenden
Wüstensonne, forderte ihren Tribut.</p>



<p>Ich kannte das von Grönland. Dort hatte ich ähnliches
auszuhalten. Jeder der sich einmal die Lippen total verbrannt hat weiß, welche
unerträglichen Schmerzen damit &#8211; besonders beim Essen und Trinken &#8211; verbunden
sind.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Elmar.jpg" alt="" class="wp-image-1939" width="450" height="600" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Elmar.jpg 600w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Elmar-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></figure>
</div>


<p>Die Atacama Wüste bot mir das volle Programm an Qualen und Leiden ab. Und trotzdem genoss ich dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung. Hinzu kamen die beeindruckende Weite und bizarre Schönheit der Atacama Wüste. Ich fühlte mich wie der einzige Mensch auf einem fernen Planeten und war glücklich.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Gefangen in der Atacama Wüste</strong></h2>



<p>Dieser wunderbare Gleichklang von Leiden und Hochgenuss
wurde kurz vor Ende meiner Durchquerung der Atacamawüste jäh unterbrochen. Um
mir einen riesigen Umweg entlang einer Straße zu ersparen, musste ich den äußeren
Zipfel des Geländes einer Minengesellschaft durchqueren. Es gab hier weder eine
sichtbare Begrenzung in Form eines Zauns noch irgendwelche Warnschilder.</p>



<p>Nach kurzer Zeit machte ich in der Ferne eine riesige Staubfahne aus, die sich schnell näherte. Zwei Pickups mit blickenden gelben Warnleuchten auf dem Dach rasten auf mich zu. Als diese mich erreichten, sprangen sofort mehrere Personen heraus, stürzten sich förmlich auf mich, redeten wild auf mich ein und zerrten mich in einen der Trucks. </p>



<p>Ich war völlig perplex und wusste nicht wie mir geschah. Da ich kein Spanisch spreche, verstand ich natürlich kein Wort.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_unendliche_Weite.jpg" alt="" class="wp-image-1974" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_unendliche_Weite.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_unendliche_Weite-300x225.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_unendliche_Weite-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">unendliche Weite</figcaption></figure>



<p>Wenig später fand ich mich in einer Art Verhörraum wieder.
Ich kam mir vor wie ein Schwerstkrimineller. Ich wurde gezwungen, meine
Oberbekleidung abzulegen, während mein Gepäck komplett auseinandergenommen
wurde. Endlich sprach mich ein wichtig daherkommender älterer Herr in
gebrochenem Englisch an.</p>



<p>Wie sich dann herausstellte, ist das Territorium einer
Minengesellschaft eine Art Hochsicherheitsgebiet und ich war dort unerlaubt
eingedrungen. Nachdem den Leuten wohl nach und nach klar wurde, dass von mir
nun wirklich keine Gefahr ausgehen würde, entspannte sich die Lage deutlich.</p>



<p>Es gab dann sogar einen Kaffee und eine Flasche
Mineralwasser als weitere Marschverpflegung. Man gab mir aber auch
unmissverständlich zu verstehen, dass ich das Gelände umgehend zu verlassen
habe. So brachte man mich zur Zufahrtsstraße an den Haupteingang.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Felsmalereien.jpg" alt="" class="wp-image-1978" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Felsmalereien.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Felsmalereien-300x225.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Felsmalereien-768x576.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Es war wohl schon jemand vor mir da!</figcaption></figure>



<p>Ich war völlig frustriert. Bedeutete dass doch einen Umweg von gut einem Tag. Es half nichts, ich musste mich auch mit dieser unerwarteten Wendung bestmöglich arrangieren.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das verschollene Wasser-Depot</h2>



<p>So marschierte ich anderthalbtage an einer Staubpiste entlang. Ständig donnerten die riesigen Sattelzüge der Minengesellschaft an mir vorbei und hüllten mich in eine dichte Staubwolke. </p>



<p>So hatte ich mir meine Atacama Durchquerung keineswegs vorgestellt. Zudem passte nun meine Wasser- und Verpflegungskalkulation nicht mehr. Ich hatte doch etwas mehr verbraucht als geplant und so war meine Reserve bereits weg.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_Zelt.jpg" alt="" class="wp-image-1937"/><figcaption class="wp-element-caption">Alles hat seine Ordnung und seinen Platz</figcaption></figure>



<p>Aber mein nächstes Wasserdepot war ja nicht mehr weit. Doch schon als ich mich dem Depot näherte ahnte ich Böses. Überall frische Erdablagerungen. Von meinem Wasserdepot keine Spur. </p>



<p>Die Landschaft sah gänzlich anders aus als auf dem Foto, dass ich sicherheitshalber auch von diesem Depot gemacht habe. Bis auf einen kläglichen Rest, war mein Wasser aufgebraucht. Und ich hatte bereits jetzt einen Riesendurst.</p>



<p>Es half nichts, ich musste meine Pläne wieder ändern und früher als geplant zur Panamericana. Dadurch würde ich auf dem schnellsten Weg nach Antofagasta kommen. Damit lag dann auch der eigentliche Teil meiner Atacama Wüstendurchquerung hinter mir. Da an der Panamericana immer irgendwo gebaut wird, stieß ich schon bald auf Bauarbeiter. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Geschafft &#8211; die Wüste liegt hinter mir</h2>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_8.jpg" alt="" class="wp-image-1928"/><figcaption class="wp-element-caption">Ankunft in Antafagasta &#8211; Was für ein geiles Gefühl es geschafft zu haben!</figcaption></figure>



<p>Deren Hilfsbereitschaft überwältigte mich. Sie ließen mir keine Chance ihre Lunchpakete nicht anzunehmen und füllten meine Wasservorräte mehr als großzügig auf. Obendrein gab es noch eine wunderbar erfrischende, kühle Cola. Wie herrlich das Leben doch schlagartig wieder sein kann!</p>



<p>Allen Widrigkeiten zum Trotz erreichte ich nach 11 Tagen
glücklich, aber erschöpft und von der Sonne verbrannt mein Ziel Antofagasta an
der Pazifikküste. Und zur Belohnung gab es ein Rieseneis.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Atacama_9.jpg" alt="" class="wp-image-1931" width="450" height="752"/></figure>
</div>


<p>Die Atacama Wüste ist nun ein Teil von mir und wird mein
Leben auf ewig bereichern. Dafür bin ich unendlich dankbar.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/atacama-wueste-durchquerung/">Atacama Wüste extrem: Alleine zu Fuß durch die trockenste Region der Erde</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deutschlandlauf: Von Sylt nach Oberstdorf „by fair means“</title>
		<link>https://hieronimus.com/deutschlandlauf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 07:59:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://lockeramlimit.de/?p=1672</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Deutschlandlauf sollte &#8222;mein ultimatives Abenteuer&#8220; direkt vor der eigenen Haustür. Das Vorhaben konkret: Deutschland vom nördlichsten zum südlichsten Punkt ohne Unterstützung von außen, möglichst schnell zu durchqueren. Es sollte kein Survivaltrip a la Rüdiger Nehberg werden, sondern ich wollte laufen und dabei meine gesamte Ausrüstung und Verpflegung auf einem umgebauten Fahrradanhänger hinter mir herziehen. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/deutschlandlauf/">Deutschlandlauf: Von Sylt nach Oberstdorf „by fair means“</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Der Deutschlandlauf sollte &#8222;mein ultimatives Abenteuer&#8220; direkt vor der eigenen Haustür. Das Vorhaben konkret: Deutschland vom nördlichsten zum südlichsten Punkt ohne Unterstützung von außen, möglichst schnell zu durchqueren. Es sollte kein Survivaltrip a la Rüdiger Nehberg werden, sondern ich wollte laufen und dabei meine gesamte Ausrüstung und Verpflegung auf einem umgebauten Fahrradanhänger hinter mir herziehen. Zum Übernachten wollte ich mich immer in irgendwelche Büsche schlagen, um mein Mini Zelt aufzubauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Oberstdorf liegt am anderen Ende der Welt</h2>



<p>Zumindest kam mir das so vor, als ich am Ellenbogen auf Sylt, dem nördlichsten Zipfel der Republik, stand. Hier oben auf Sylt waren die Berge so weit weg, dass ich mein Ziel kaum gedanklich fassen konnte. Ich hatte mächtig Respekt vor der Strecke, die vor mir lag. Gut 950 km hatte ich eingeplant. Doch aufgrund diverser unfreiwilliger Extratouren, sollten es am Ende etwas mehr als 1000km werden. Ich wusste von meinen anderen Abenteuern, dass&nbsp;trotz intensiver Vorbereitung und sorgfältiger Planung, einiges anders als geplant kommen würde. Und ich sollte Recht behalten.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Mieses Wetter + nerviger Elmar = miese Laune?</h2>



<p>Da es im
Norden der Republik herrlich flach ist, kam ich gut voran. Zwar lief ich
langsam, aber beständig. Zwei Umstände machten mir jedoch von Beginn an bei
meinem Deutschlandlauf das Leben schwer.&nbsp; Elmar, so hatte ich meinen
Laufanhänger getauft und das regnerische und stürmische Wetter. Beide schienen
sich gegen mich verbündet zu haben.</p>



<p>Elmar brachte es auf satte 25 kg. Ich hatte ständig das Gefühl, dass mich jemand von hinten festhält. Ein weiteres Problem war, dass sich Elmar manchmal regelrecht aufschaukelte. Als umgebauter Fahrradanhänger, hatte er zwei Räder. Der Dritte Fixpunkt war die Befestigung des Zuggestänges an meinem Zug-Gurt und die war ja flexibel. So ruckelte und zog Elmar ständig an mir rum. Wie ich das bis Oberstdorf aushalten sollte, war mir schleierhaft. Zwar hatte ich alles zu Hause ausprobiert, doch irgendwie schien jetzt, wenn es drauf ankam, alles anders. Aber ich fand eine Lösung.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum der &#8222;Leidensmodus&#8220; so wichtig ist</h2>



<p>Für Anfang Mai war das Wetter einfach saumäßig. Es war kalt, regnerisch und stürmisch. So baute ich mein Zelt am ersten Abend im strömenden Regen, in der Nähe eines Bauernhofs, auf. Den Bauern hatte ich sicherheitshalber gefragt. Ich wollte mir nicht schon am Anfang den Zorn meiner zivilisierten Mitmenschen zuziehen.&nbsp; Am nächsten Tag wurde es noch übler. Es goss in Strömen. Dann brach auch noch einer meiner Laufstöcke. Zwar gelang es mir, diesen notdürftig zu reparieren, aber es war eine weitere Komforteinbuße.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Hadern und Jammern</h3>



<p>Ich haderte die ersten Tage gewaltig mit den Umständen. Wäre ich doch besser im April los. Der war sonnig und warm. Ich wusste, wenn das so weiter geht mit dem Jammern, dann schaffe ich es nie bis Oberstdorf. Höchste Zeit auf meine altbewährten mentalen Kräfte zu vertrauen. So überließ ich meine Gedanken nicht mehr länger dem Zufall, sondern griff auf bewährte Formen der Mentalarbeit zurück.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum es geil ist, wenn man wie eine Maschine funktionieren kann</h3>



<p>Trotz
Regenbekleidung wurde ich tagsüber total durchnässt. Den einzigen halbwegs
trockenen Platz, bot mein Schlafsack.&nbsp; Trotzdem kroch ich wie
ferngesteuert jeden Morgen pünktlich aus dem Schlafsack, nachdem ich meine
allmorgendliche Frühstücksroutine beendet hatte. Ohne zu murren schlüpfte ich
in meine nassen Klamotten, packte dem immer gleichen Muster folgend meine
Sachen zusammen und lief einfach los. Selbst der Vorschlag meines
&#8222;Teufelchens&#8220;, bei dem Sauwetter noch eine Stunde länger im Schlafsack
zu genießen, hatte nie eine Chance.</p>



<p>Obwohl ich
zu Hause gerne auch mal &#8222;Fünfe gerade sein lasse&#8220;, funktioniere ich
auf so einer Tour wie eine Maschine. Fast erschreckend wie gut mir das gelingt.
Ich schalte dann in den &#8222;Leidensmodus&#8220;. Ohne über mein Tun groß
nachzudenken, folge ich meinen Regeln. Würde ich diese immer wieder zur
Disposition stellen, könnte ich gleich aufgeben. Ich mache solche Projekte ganz
alleine für mich. Ich muss anderen nichts beweisen. Folge also ganz meinen
Regeln.</p>



<p>Auch die Fähigkeit, Unangenehmes auszuhalten, habe ich mir über die Jahre antrainiert. Ich hadere dann nicht mehr. Allenfalls kurz. Kann ich es nicht ändern, muss ich es integrieren. Ich nehme es dann so an, wie es ist. Kann ich es verändern, suche ich schnell nach einer Lösung für die veränderte Situation. Die findet sich meist. Ich weiß, dass das alles zum &#8222;Gesamtpaket&#8220; dazu gehört. In mir ist eine tiefe Zuversicht, dass mich das alles meinem Ziel wieder ein Stück näherbringen wird.<br><br></p>



<figure class="wp-block-embed-vimeo wp-block-embed"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Die Welt geht immer wieder unter und die Sonne immer wieder auf</h2>



<p>Unterwegs hatte ich immer wieder mit zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen. Mal war es ein Laufstockbruch, dann ein Totalausfall des GPS, ein verlorenes Handyladekabel oder das im letzten Camp vergessene Zeltgestänge. Außerdem war mein rechtes Knie fast auf doppelte Größe angeschwollen und der linke Oberschenkelmuskel schmerzte Gewaltig.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum ich Göttingen nicht mag</h3>



<p>Alle Göttinger mögen es mir verzeihen. Aber ich hasste Göttingen auf meinem Deutschlandlauf. Warum ich das tue? Göttingen sollte ein Höhepunkt meines Deutschlandlaufs werden. Es lag fast auf halber Strecke. Daher hatte ich dort eine Art Bergfest geplant. Doch Göttingen wurde für mich zum emotionalen Desaster. Ausfall meines GPS und wolkenbruchartiger Regen. Nichts mit Bergfest, ganz zu schweigen vom Genuss des Rotweinpulvers, welches ich zum Begießen der Halbzeit eingepackt hatte. War Göttingen für mich als Halbzeitmarker bis dato Ziel meiner Sehnsüchte gewesen, so kehrte sich das jetzt ins absolute Gegenteil. Ich verfluchte Göttingen. Ich war an einem emotionalen Tiefpunkt meines Deutschlandlaufs angelangt. Ich stellte mein Tun gänzlich in Frage und spielte mit dem Gedanken aufzugeben.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Zusammenspiel von Routine und Flexibilität</h3>



<p>Jedes Mal,
wenn mich irgendetwas aus meiner gewohnten Routine brachte, war das zunächst
wie ein kleiner Weltuntergang. Aber der Erfolg eines solchen Vorhabens &#8211; wie
bei allen Expeditionen &#8211; liegt darin, auf das unvorhergesehene flexibel zu
reagieren und schnell eine Lösung zu finden. Das gehört dazu, macht einen Teil
des Reizes aus. Die Routine hat auf einem solchen Trip eine wichtige Funktion.
Sie gibt Sicherheit und lässt dich die Selbstdisziplin wahren. Ein stören der
Routine ist daher immer Verlust von Sicherheit und Vertrautem. Das schmerzt
einfach erst einmal.</p>



<p>Ich habe
gelernt mit diesen Unwägbarkeiten umzugehen. Gehe nach kurzem Hadern sofort in
den Problemlösungsmodus. Es findet sich immer irgendeine Lösung, denn die
Alternative wäre Aufgeben. Ist das Problem im Griff, wird es zur neuen Routine.</p>



<p>Auch auf meinem Deutschlandlauf kam ich daher, trotz vieler unvorhergesehener Zwischenfälle, gut voran. Ich schaffte fast immer mein geplantes tägliches Pensum. Konnte mein Zelt meist an der geplanten Stelle aufstellen. Obwohl es gar nicht so leicht war, dabei außerhalb der Sichtweite anderer Menschen zu bleiben. In der Wüste ist das einfacher!<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Genuss des Wegs</h2>



<p>Trotz aller Leiden, oder gerade auch wegen den Widrigkeiten, die so eine Tour zwangsläufig mit sich bring, liebe ich das Unterwegssein. Ich lebte von Tag zu Tag. Freute mich schon morgens auf das königliche, gefriergetrocknete Abendmenü. So alle 4 Tage hatte ich mir einen Meilenstein gesetzt. Z.B. die Überfahrt auf der Alster, dann Hannover, Göttingen, der Mainübergang bei Kitzingen. Riesig freute ich mich auf die Überquerung der A8 Stuttgart-München, war sie für mich doch das eigentliche Tor zum Süden. Auch auf von den vielen Autofahrten nach Oberstdorf, war mir diese Region bereits sehr vertraut. Ich genoss es dermaßen, durch dieses wunderschöne Land zu laufen.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Magie des Ziels</h2>



<p>Ich kam mir
vor wie eine Schnecke, obwohl ich exakt im Zeitplan lag. Dann endlich, nach 17
Tagen konnte ich in der Ferne die Alpen im Dunst erkennen. Die Glücksgefühle in
diesem Moment, als ich den Grünten, den Wächter des Allgäus, erblickte, kann
ich mit Worten nicht beschreiben. Mein Ziel Oberstdorf hat für mich eine
besondere Bedeutung. Ich habe dort geheiratet, unzählige Kurzurlaube verbracht
und meinen schwersten Unfall, einen Skiunfall mit Oberschenkelhalsfraktur, dort
erlebt. Diese starke emotionale Bindung an mein Ziel Oberstdorf half mir über
viele Momente der Selbstzweifel und des Leidens hinweg.</p>



<p>Am 24. Mai 2014 erreichte ich mein ersehntes Ziel. Ich war in Oberstdorf angekommen. Ich habe die Strecke von&nbsp;1023 in nur 19 Tagen geschafft. Die letzten 10km zum Ende des Rappachtals waren nur noch eine Zugabe und hatten keine Bedeutung mehr für mich.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Deutschland mal anders</h2>



<p>Nach einem
solchen extremen Erlebnis muss ich alles erst einmal sacken lassen. Es fällt
mir schwer darüber zu reden. So viele Erlebnisse, die für mich eine immens
wichtige Bedeutung haben. Menschen, die ähnliches nie erlebt haben, können das
kaum nachvollziehen.</p>



<p>Was mich bei meinem Deutschlandlauf neben der sportlichen Herausforderung am meisten beeindruckt hat, war die Möglichkeit, unser Land einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Begegnungen mit Menschen</h3>



<p>Ich hatte
mich für knapp drei Wochen sozusagen aus der zivilisierten Gesellschaft
ausgeklinkt. Versorgte mich autonom, zapfte Wasser auf Friedhöfen, sah nach
wenigen Tagen ungepflegt aus und würde einen Geruchstest sicher auch nicht mehr
bestehen.</p>



<p>Viele Menschen begegneten mir daher mit argwöhnischen Blicken oder schauten gar weg. Und trotzdem gab es doch so viele tolle Begegnungen und Gespräche mit den Menschen entlang meiner Route. Da gab es, den Radfahrer, der extra umdrehte, um mich ein paar Kilometer zu begleiten. Da waren die Kinder, die mir lachend ein &#8222;Love and Peace Alter&#8220; zuriefen, die Menschen, die mich mit Wasser versorgten, die mich zum Essen einladen wollten, die mir den richtigen Weg zeigten.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Reiz unterschiedlicher Regionen</h3>



<p>Deutschland
ist ein wunderschönes Land. Es war einfach faszinierend, den Wechsel der
landschaftlichen Höhepunkte und Besonderheiten zu erleben. Sylt mit seinen
einzigartigen Dünenlandschaften, das platte Land Nordfrieslands mit seinen
großen Gehöften, die Großstadt Hamburg als Kontrast, die Lüneburger Heide, die
Gedenkstädte Bergen-Belsen, der Beginn der Mittelgebirge hinter Hildesheim, das
waldreiche Thüringen, entlang des Mains, das mittelalterliche Dinkelsbühl, die
schwäbische Alb, das Allgäu, die Berge.</p>



<p>Deutschland
so erleben zu dürfen ist ein unbeschreibliches Privileg. Es bereichert mein
Leben für immer!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/deutschlandlauf/">Deutschlandlauf: Von Sylt nach Oberstdorf „by fair means“</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Island extrem: Alleine zu Fuß durch die größte Lavawüste der Erde</title>
		<link>https://hieronimus.com/island-odadahraun-wueste-durchquerung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 07:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
		<category><![CDATA[Expeditionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer hätte das gedacht? Die größte Lavawüste der Erde befindet sich in Europa, besser gesagt in Island – ihr klangvoller Name „Odadahraun“. Sie gilt als einer der unwirtlichsten und lebensfeindlichsten Landstriche unserer Erde und diente im 16./ 17. Jahrhundert Islands Vogelfreien als Versteck. Daher wird sie auch “Wüste der Missetäter“ genannt. Diese wollte ich durchqueren [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-drop-cap">Wer hätte das gedacht? Die größte Lavawüste der Erde befindet sich in Europa, besser gesagt in Island – ihr klangvoller Name „Odadahraun“. Sie gilt als einer der unwirtlichsten und lebensfeindlichsten Landstriche unserer Erde und diente im 16./ 17. Jahrhundert Islands Vogelfreien als Versteck. Daher wird sie auch “Wüste der Missetäter“ genannt. Diese wollte ich durchqueren &#8211; und zwar alleine!</p>



<p>In fünf Tagen legte ich eine Strecke von 150 km zurück. Mein
Weg führte mich durch das Herz der Odadahraun, durch unwegsames, von
scharfkantigen Lavablöcken durchsetztes Gelände. Häufig versperrten mir
riesige, zu Steinwällen aufgeworfene Lavablöcke, die an schwarzes Packeis
erinnern, den Weg und zwangen mich immer wieder zu Umwegen.</p>



<p>Das Gewicht meines Rucksacks betrug 40 kg. Einen 10 Liter Wasservorrat für die gesamte Strecke eingeschlossen. Den Marsch durch die Odadahraun Lavawüste auf Island habe ich im Jahr 1997 unternommen. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Alleine mit Island</h2>



<p>Nur noch schwach ist die schwarze Staubfahne des Geländewagens vor dem Hintergrund des blauen Himmels zu sehen, bis sie sich schließlich am Horizont in Nichts auflöst. Das letzte Anzeichen menschlicher Zivilisation ist aus meinem Blickfeld verschwunden.</p>



<p>Ich bin alleine&#8230;. alleine im Land der Trolle und Elfen, alleine mit Island. Bleiern lastet die Einsamkeit auf mir und Zweifel kommen auf, ob ich mir da mal nicht zu viel vorgenommen habe.</p>



<p><em>„Good luck and take care, I`m sure you will do it “.</em> Mit diesen aufmunternden Worten hatte mich mein isländischer Fahrer &#8211; ein Farmer vom Myvatn namens Laki &#8211; verabschiedet. </p>



<p>Ich verspüre eine gewisse Anspannung, die sich immer bemerkbar macht, wenn ich alleine in unwegsame Wildnis aufbreche. Zumindest das Wetter meint es heute gut mit mir, denn die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen Himmel.</p>



<p>Ein kräftiger Wind lässt den feinen Aschesand zu feinen spiralförmigen schwarzgrauen Spiralwolken wirbeln. Bald schon bedeckt der feine Lavastaub Kleidung und Rucksack und findet seinen Weg in Augen, Ohren und Nase. Er wird in den nächsten Tagen mein ständiger Begleiter sein und ich muss mich wohl oder übel daran gewöhnen.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wo sonst niemand hin geht</h2>



<p>Die letzten Tage in Reykjavik, Akureyri und am Mückensee (Myvatn) verliefen eher hektisch, denn es gab noch einiges an Vorbereitungen wie z.B. das Ergänzen und Überprüfen der Ausrüstung, zu tun. Außerdem hoffte ich, weitere nützliche Informationen über die Lavawüste direkt hier vor Ort zu bekommen.  Obwohl kaum Zeit für Sightseeing blieb, schaute ich mir auf dem Weg zur Odadahraun noch einige der spektakulären Naturschönheiten, von denen Island reichlich zu bieten hat, an. </p>



<p>Die Informationsbeschaffung erwies sich als aussichtsloses Unterfangen, denn meine bohrenden Fragen wurden mit Schulterzucken beantwortet. <em>„Nobody goes there“</em> hatte mir die freundliche Dame der Touristeninformation in dem kleinen Ort Reykalid geantwortet. Dennoch war sie rührend um mich besorgt. Aus diesem Grund hinterließ ich ihr meine geplante Route und eine Kontaktadresse in Deutschland für den Fall, dass mir etwas zustoßen sollte.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Odadahraun Wüste &#8211; unbekanntes Land</h3>



<p>Niemand konnte mir Auskunft über die Beschaffenheit des Geländes im Herzen der Odadahraun Wüste geben. Laut meiner wenig detaillierten topografischen Karte, besteht das Zentrum der Lavawüste aus einer Anhäufung von riesigen Lavablöcken, die sich stellenweise zu regelrechten Bergen auftürmen. <em>Waren diese überhaupt ohne Kletterausrüstung zu überwinden?</em> Auf die hatte ich nämlich aus Gewichtsgründen verzichtet. <em>Konnte ich meine geplante Route überhaupt einhalten?</em></p>



<p>Was wäre, wenn ich mir ein Bein brechen oder den Fuß verstauchen sollte? Würde man mich wirklich, wie versprochen, mit einem Helikopter suchen – und auch finden? Vielleicht herrscht gerade dann einer der berüchtigten tagelangen Sandstürme. Viele Fragen blieben offen und ließen meine Anspannung weiter steigen. Trotzdem wollte ich mich durch Nichts von meinem Vorhaben abbringen lassen.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Trolle und Elfen rauben mir den Schlaf</h3>



<p>Ich freute mich auf eine letzte ruhige Nacht im Schoße der Zivilisation. Daher kroch ich früh am Abend, verbunden mit der Hoffnung, dass sich bald ein traumloser Schlaf meiner erbarmt, in meinen kuscheligen Schlafsack. Doch es sollte anders kommen.</p>



<p>Die Nacht wurde regelrecht zum Horror. Unruhig wälzte ich mich im Schlafsack hin und her. Es war kalt. Ein Blick auf das Thermometer im Vorzelt zeigte fast 0 Grad. Die Kälte kroch allmählich in meinen Schlafsack. Ich fror und schwitze dennoch fürchterlich. In der Folge wachte ich immer wieder bibbernd und schweißgebadet auf. Fürchterliche Albträume quälten mich.</p>



<p>Mein nächtlicher Gedankenwirrwarr wurde von Islands sagenumwobenen Wesen, den Elfen und Trollen beherrscht. Überall schienen sie auf mich zu lauern. Hinter bizarren Lavagebilden vermochte ich ihre zu Fratzen verkommenen Gesichter zu erkennen. Für sie war ich ein Eindringling in diese leblose Einöde. Daher hatten sie nur ein Ziel &#8211; mich an meinem Marsch durch die Wüste zu hindern. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Aufbruch ins Ungewisse</h2>



<p>Das war letzte Nacht &#8211;  und die war für mich eine echte Horrornacht. Dementsprechend unausgeschlafen und schlapp fühlte ich mich heute, am Morgen meines ersten Marschtages. </p>



<p>Die unendliche Weite der schwarzgrauen Lavawüste liegt nun vor mir, als ich nach Osten Blicke. Ein intensives Glücksgefühl durchströmt jede Faser meines Körper. Ich genieße diesen Moment intensiv und spüre, wie die Energie zurückkommt, denn Körper und Geist wollen endlich los &#8211; aufbrechen ins Ungewisse. </p>



<p>Ich lasse meinen Blick nach Süden schweifen, wo im Dunst der Ferne die Gletscherzungen des Vatnajökull, mit 8.000 qkm der größte Gletscher Europas, auf den Rand der Wüste treffen. Feuer und Eis stoßen hier unmittelbar aufeinander.</p>



<p>Im Südosten wird mein Blick vom Dyngjufjöllgebirge, dass mit
einer wie Puderzucker aussehenden Schneeschicht überzogen ist, begrenzt.</p>



<p>Dahinter verborgen liegt die mit türkisfarbenem Wasser gefüllte Caldera der Askja. Im Osten leuchtet schwach der von der Nachmittagssonne angestrahlte Gipfel des Herdubreid – Islands schönster Tafelvulkan. Auch im Norden wird die Odadahraun von mehreren Tafelbergen begrenzt.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Gehen auf Lava und Geröll</h3>



<p>Kurze Standortbestimmung mit dem GPS, Kompasspeilung und los geht‘s. Wie zu Beginn einer jeden Tour genieße ich es unterwegs zu sein. Zu meiner Linken kann ich auf den letzten, mit spärlichem Gras bewachsenen Weideflächen am Rand der Wüste die hellen wolligen Gestalten einiger Islandschafe ausmachen. Sie sollten die letzten Lebewesen sein, die ich in den nächsten Tagen zu Gesicht bekomme.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="495" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Artikel_Island_3.jpg" alt="" class="wp-image-1994" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Artikel_Island_3.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Artikel_Island_3-300x186.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Artikel_Island_3-768x475.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Gehen auf Lava strengt mächtig an</figcaption></figure>



<p>Auf dem schwarzen Aschesand ist das Gehen kräftezehrend.
Häufig versinke ich bis zu den Knöcheln im Sand. Der schwere Rucksack tut sein Übriges.
Größere Lavablöcke zwingen mich immer wieder zu Umwegen.</p>



<p>Im Schatten einer dieser Lavablöcke mache ich meine erste Rast. Laut Karte befindet sich zu meiner rechten ein kleiner Bachlauf. Diesen steuere ich an und saufe wie ein Kamel vor einem langen Wüstenritt. Denn schließlich möchte ich meinen Bauch bis zum letzten Winkel mit Wasser füllen, um so mit maximaler Kapazität in die Wüste aufzubrechen. Ich fülle auch meinen Wasserkanister bis zum Rand, denn der muss schließlich für 5 Tage reichen. <br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Wüste macht glücklich</h2>



<p>Die Trekking-Stöcke erleichtern die Fortbewegung in dem rauen Gelände ungemein. Es hatte mich einige Mühe gekostet diese auszuziehen, weil sie total festgerostet waren. Beim Überprüfen der Ausrüstung hatte ich sie glatt vergessen – sollte eigentlich nicht passieren! Gegen 18.00 Uhr erreiche ich den Bachlauf.</p>



<p>Schnell ist das Zelt aufgebaut und im Kochtopf brodelt ein leckerer Erbseneintopf. Dazu ein prickelndes und erfrischendes Brausegetränk mit Himbeergeschmack. Dies sind die Momente die ich so liebe.</p>



<p>Ich verspüre eine innere Zufriedenheit, ja ein regelrechtes Glücksgefühl, obwohl noch mindestens vier harte Tage vor mir liegen. Zufrieden krieche ich in meinen Schlafsack und falle bald in einen tiefen, traumlosen Schlaf.</p>



<div class="wp-block-ugb-container aligncenter ugb-container ugb--background-opacity-0 ugb--has-background ugb-container--height-short ugb-container--align-horizontal-full" style="background-color:#f1f1f1;border-radius:16px"><div class="ugb-container__wrapper"><div class="ugb-container__content-wrapper">

<h4 class="wp-block-heading">Warum Wüsten glücklich machen</h4>


<ul class="wp-block-list"><li>Sie lassen dich Anstrengung sehr intensiv spüren &#8211; mit allen Sinnen</li><li>Sie geben dir ein Maximum an selbstbestimmtem Handeln</li><li>Sie lehren dich Demut vor der Natur</li><li>und Dankbarkeit&#8230;selbst für kleinste Annehmlichkeiten</li></ul>


<p></p>

</div></div></div>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Auf einem anderen Stern</h2>



<p>Am Morgen treiben mich die Sonnenstrahlen, die das Zelt mächtig aufheizen, frühzeitig aus dem Schlafsack. Es ist absolut windstill. Kein Laut dringt an meine Ohren. Die Umgebung wirkt irreal, wie das Antlitz eines fremden Sterns. Irgendwie unheimlich. </p>



<p>Soweit das Auge reicht, keinerlei Anzeichen von Leben. Bin
ich in Europa oder befinde ich mich vor der Kulisse eines Science-Fiction-Films?
Nach einem schnellen Müslifrühstück baue ich ebenso fix das Zelt ab und
verstaue die restliche Ausrüstung im Rucksack. Heute empfinde ich die Last des
Rucksacks erdrückend. Habe mich noch nicht an die gut 40 kg auf meinem Rücken
gewöhnt.</p>



<p>Allmählich verändert sich das Terrain. Ging ich bisher meist
über flache Fladenlava, so herrschen jetzt kleine, wie schwarze Blumenkohlköpfe
aussehende Lavagebilde vor. Auf dem schwierigen Untergrund will jeder Schritt
gut überlegt sein, denn einmal ins Straucheln gekommen, ist der Sturz
unvermeidbar. Die Orientierung stellt sich bei diesem herrlichen Wetter als
leichtes Unterfangen heraus.</p>



<p>Auf den Kompass kann ich gänzlich verzichten, denn im Osten
zeichnet sich deutlich der Gipfel des Herdubreid ab, welcher mir den Weg weist.
Er scheint greifbar nah. Doch die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die
Entfernungen auf weiten offenen Flächen stark täuschen. Dieser Effekt wird
durch die außerordentlich klare Luft in Island noch verstärkt.</p>



<p>Also verwerfe ich den Gedanken, mein Ziel vielleicht schon in 2 Tagen zu erreichen, wieder. Außerdem ist für mich nicht das Erreichen des Endziels das eigentliche, das angestrebte Ziel, sondern der Weg ist das Ziel. Hat man den Endpunkt erst erreicht, ist man zwar froh die Sache gut zu Ende gebracht zu haben, fühlt aber bald eine innere Leere und plant in Gedanken bereits die nächste Tour.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine Wüste ohne Hitze sollte es eigentlich sein</h2>



<p>In einem Punkt habe ich mich bei meiner Planung kräftig
verrechnet. Im Rucksack schleppe ich jede Menge warmer Kleidung mit. Man hatte
mir dringend geraten dies zu tun und mich auch auf Minusgrade einzustellen.</p>



<p>Die Odadahraun ist immer für eine Überraschung gut, obwohl
tiefe Temperaturen in diesem Teil Islands selbst im Sommer nicht selten sind.
Doch statt Kälte und Regen quälen mich Temperaturen bis 28°C. Die Odadahraun
wird zum Glutofen, denn das schwarze Lavagestein speichert und reflektiert die
Wärme.</p>



<p>Bewusst versuche ich mein Tempo zu drosseln, was mir aber
nur für kurze Zeit gelingt. Automatisch steigert sich meine
Marschgeschwindigkeit wieder. Dies wird mir erst bewusst, als dicke
Schweißtropfen von Stirn und Nase tropfen. Da mein Wasservorrat begrenzt ist, muss
ich den Wasserverbrauch einteilen.</p>



<p>Dies fällt nicht leicht, denn ständig dringt das Plätschern
des Wassers in dem noch zu zwei Drittel gefüllten Faltkanister, den ich außen
am Rucksack befestigt habe, an meine Ohren &#8211; die Versuchung ist groß!</p>



<p>Ein kaum wahrnehmbarer Wind streicht von hinten über meinen
Kopf. Ab und zu drehe ich mich um, um so wenigstens für einen Augenblick einen
angenehmen, kühlenden Luftzug im Gesicht zu spüren. Laut GPS bin ich noch 5,6
km von meinem geplanten Lagerplatz entfernt. Ob ich es heute noch erreiche?
Allmählich schwinden meine Kräfte.</p>



<p>Hinzu kommen die vielen kleinen Mücken, die plötzlich wie aus dem Nichts auftauchen. Mit allem habe ich gerechnet, nur nicht mit diesen Plagegeistern hier in der Wüste.<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Mücken fliegen weiter als ich dachte</h3>



<p>Ich befinde mich doch ca. 60 km südlich des Mückensees
(Myvatn). Was treibt diese Biester bis in diesen trostlosen Landstrich. Fast
kommt es mir vor, als ob sie nur darauf lauern, dass irgend so ein Verrückter
in ihre Falle tappt. Nur, dieser Verrückte bin ich.</p>



<p>Am Mückensee tragen die meisten Touristen ein Moskitonetz um
den Kopf, um wenigstens einigermaßen Ruhe vor ihnen zu haben. Ich hatte bewusst
kein Moskitonetz eingepackt, da ich mich ja weit südlich des Mückensees bewegte.</p>



<p>Gott sei Dank dauert dieses erste Intermezzo nur eine knappe Stunde, denn ein leichter, kühler Wind weht von den Eismassen des Vatnajökull herunter und lässt die Plagegeister genauso schnell verschwinden wie sie kamen. Ich habe keine Lust mehr weiter zu gehen. Fühle mich auch ziemlich platt. Schnell ist das Zelt aufgebaut und alle notwendigen Utensilien für das Abendessen bereitgelegt – Lagerroutine.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Eisbruch aus Lava</h2>



<p>Mit einem Kreuz markiere ich den nächsten Lagerpunkt auf der
Karte. Ein Blick auf die vor mir liegende Strecke verheißt nichts Gutes. Die
Legende der Karte sagt „big lava boulders“. Ein Blick nach Osten scheint dies
zu bestätigen. In der Ferne sind mehrere Reihen wie übereinander geschichtete
unförmige Lavablöcke zu sehen.</p>



<p>Sie muten wie mit einem Raupenfahrzeug zusammengeschobene
Steinwälle, ja wie regelrechte Dämme an. Sie erinnern mich an einen schwarz
gefärbten Eisbruch.</p>



<p>Und dort hindurch soll mich mein heutiger Weg führen? Es ist
wieder unerträglich warm. Meine ständig trockene und staubbedeckte Kehle lechzt
nach Wasser. Selbstdisziplin ist angesagt! Nur allzu verführerisch plätschert
das wenige Restwasser in meinem Faltkanister. Der Drang mir den Rest auf einmal
zu gönnen ist riesig. Aber ich widerstehe der Verführung.</p>



<p>Das Gelände wird immer schwieriger und unwegsamer, denn ich
befinde mich nun genau im Herzen der Odadahraun. Das Gehen erfordert meine
ganze Konzentration. Wenn da nur nicht wieder diese Plagegeister wären! Sie
verleiden mir die Sache tüchtig.</p>



<p>Ab und zu gelingt es mir einige von ihnen zu erwischen – nur, für eine erlegte Mücke scheinen zehn neue hinzuzukommen. Ich reiße mir die Mütze vom Kopf und schlage wie wild um mich. Es nützt nichts. Sie sind überall – in Nase, Augen, Ohren und Mund und dann dieses ständige Summen – es macht mich fast wahnsinnig! Ich mache mir nicht einmal mehr die Mühe sie aus meinem Mund zu entfernen, sondern schlucke sie einfach hinunter – Proteine als Marschverpflegung!<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie das Plätschern meines Wasservorrats zur größten Bewährungsprobe wird</h3>



<p>Die Beschaffenheit des Geländes zwingt mich immer wieder zu
Klettereinlagen – dann ist wieder eines dieser sich plötzlich auftuenden
„Spaltenmäuler“ zu überwinden. Die scharfkantige Lava hat meinen
Trekkingstiefeln bereits arg zugesetzt. Am frühen Nachmittag raste ich in einer
mit hellem Sand gefüllten Mulde. Oh Wunder! – hier wachsen sogar ein paar
spärliche Gräser. Ausgepumpt lasse ich mich in den weichen Sand fallen. Nur
nicht mehr gehen! Sofort wird mein Kopf Opfer zahlreicher Mückenattacken.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="525" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_2.jpg" alt="" class="wp-image-1997" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_2.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_2-300x197.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_2-768x504.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Plätschern des Wassers im Faltkanister verlangte meine maximale Selbstkontrolle</figcaption></figure>



<p>Das restliche Wasser im Kanister hat sich erwärmt und
schmeckt fad. Wenn ich weiterhin so viel trinke, werde ich wohl heute Abend auf
dem Trockenen sitzen. Morgen Abend hoffe ich die Braedrafell-Hütte zu
erreichen. Laut Laki‘s Aussage gibt es dort eine Auffangvorrichtung für
Regenwasser vom Dach der Hütte.</p>



<p>Darauf kann ich mich aber nicht unbedingt verlassen, denn im Gebiet der Odadahraun hat es wohl schon länger nicht mehr geregnet. Zumindest ein Hoffnungsschimmer, denn sonst müsste ich 2 Tage ohne Wasser auskommen. Klar, verdursten werde ich nicht, aber der Gedanke daran ist mir mehr als unangenehm!<br><br></p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Wahnsinn hat zwei Namen &#8211; Mücken und Hitze!</h3>



<p>Mücken, Mücken – hunderte umschwirren mich. Ich hasse diese
Biester! Dazu die Hitze, der schwere Rucksack, das ständige Auf und Ab, über
Spalten springen, über Lavablöcke klettern. Oftmals gelingt es mir nur mit viel
Mühe und Glück nicht abzurutschen. Mehrmals stolpere ich und finde mich auf
allen Vieren wieder, dabei stoße ich mir einmal das Knie an einem unter einer
dünnen Sandschicht verborgenen Lavablock. Es tut höllisch weh!</p>



<p>Ich bin wieder einmal an einem Punkt, wo ich mich ernsthaft
frage „Warum das Ganze“? Auch die Einsamkeit, das Gefühl des Ausgesetzt seins,
fernab von jeder möglichen Hilfe, macht mir zu schaffen. Mein Körper verweigert
jede weitere Fortbewegung. Ich kann und will nicht mehr! Wo aber soll ich mein
Zelt aufbauen? Nirgends eine geeignete Stelle in Sicht. Dann glaube ich auf
einem kleinen sandigen Plateau eine geeignete Stelle ausfindig gemacht zu
haben.</p>



<p>Ich laufe einfach drauf los, um den Plagegeistern endlich zu entkommen. Diese verdammten Mücken machen mich noch wahnsinnig. An einer sandigen Stelle, die mir als Lagerplatz geeignet scheint, werfe den Rucksack ab und zerre das Zelt heraus. Doch als ich die Häringe im Boden verankern möchte, stoße ich schon nach wenigen Zentimetern auf harten Untergrund.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Am Limit</h2>



<p>Der Versuch, die Häringe mit Gewalt in den Boden zu treiben, wird damit belohnt, dass sich einer nach dem anderen verbiegt. </p>



<p>Ich kann es nicht glauben. In der Folge lasse sich eine Kanonade an übelsten Flüchen los, die ich dem Leser besser erspare. Ich bin jetzt an einem Punkt, wo ich mich mal wieder frage, warum ich mir diese Sch**** antue. Ich bin mental und körperlich mal wieder komplett am Anschlag oder besser gesagt, am Limit.</p>



<p>Doch alles Hadern und Jammern nützt nichts, denn niemand ist da, der mir helfen könnte. &#8222;Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner&#8220; jagdt es durch mein ausgebranntes Hirn. Ich raffe mich daher nochmals auf, um mir einen anderen Lagerplatz zu suchen. </p>



<p>Ohne die Zeltstangen herauszunehmen packe ich das Zelt und laufe einfach drauf los. Jetzt allerdings mehr vor Wut über meine eigene Fehlbarkeit, obwohl die Mücken die gnadenlose Jagd auf ihr Opfer, also mich, unbeirrt fortsetzen. Wie ich diese Biester hasse!<br></p>



<p>Mehrmals verheddern sich meine Füße in den herunterhängenden
Zeltleinen, dann bleibt eine der Zeltschnüre an einem scharfkantigen Lavablock
hängen. Ich zwinge mich zur Ruhe und Besonnenheit. Neben einer Anhäufung
mittelgroßer Lavablöcke befindet sich eine relativ ebene Stelle, die mit
kleinen scharfkantigen Steinen bedeckt ist. Der Versuch, diese erste Schicht
abzutragen zeigt, dass sich darunter eine Schicht Sand befindet.</p>



<p>Ich trage die Steinschicht mit bloßen Händen und Schuhen auf einer Fläche von zwei mal zwei Metern ab und erhalte so eine recht gute Stellfläche für meine Zelt. </p>



<p>Meine Hände sind von der scharfkantigen Lava zerschunden und bluten aus mehreren Wunden. Für die Zubereitung einer warmen Mahlzeit bin jetzt einfach zu erschöpft. Daher begnüge ich mich mit einem kräftigen Schluck aus der Wasserflasche und krieche völlig ausgepowert in meinen Schlafsack. Bis auf einen kleinen Rest für morgen früh sind meine Wasserreserven nunmehr vollständig aufgebraucht.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ende naht</h2>



<p>Als ich am nächsten Morgen den Reißverschluss des Zeltes
öffne, bläst mir ein kräftiger Wind ins Gesicht. Der Abbau des Zeltes ist
mühsam. Ich peile den Sattel zwischen Kollottadyngja und dem Braedrafell an. Ab
dort müsste ich den schwierigsten Teil des Geländes hinter mich gebracht haben.</p>



<p>Der Wind wird stärker und wirbelt mächtige Staubfahnen – ja
sogar kleine Steine durch die Luft. Ich binde mir zum Schutz ein Handtuch vor
den Mund. Hoffentlich erwächst daraus nicht einer der gefürchteten Stürme, die
mühelos selbst faustgroße Steine durch die Luft wirbeln und ein Fortkommen dann
unmöglich machen.</p>



<p>Der Wind hat auch was Gutes – heute keine Mücken. Der
Aufstieg zum Sattel ist anstrengend. Die Aussicht in einigen Stunden die
Braedrafellhütte zu erreichen und in den Genuss von Wasser zu kommen
mobilisiert noch einmal ungeahnte Kräfte. Das Ende des unwegsamen Lavafeldes
ist in Sicht. Bald habe ich die letzten Lavahindernisse hinter mich gebracht
und gönne mir eine lange Pause. Das Gröbste wäre geschafft.</p>



<figure class="wp-block-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="525" src="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_3.jpg" alt="" class="wp-image-1996" srcset="https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_3.jpg 800w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_3-300x197.jpg 300w, https://hieronimus.com/wp-content/uploads/2019/04/Island_3-768x504.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Herdubreid</figcaption></figure>



<p>Die Sorge, in der Hütte auch wirklich Wasser vorzufinden, lässt
mich diesen Moment jedoch nicht recht genießen und treibt mich weiter an. Zu
groß ist der Durst. Ich passiere die Südflanke des Kollottadyngja, habe jetzt
den höchsten Punkt erreicht und müsste die Hütte eigentlich sehen. Doch stattdessen
nur Lava – Lava soweit das Auge reicht.</p>



<p>Nach der verdammten Karte zu urteilen muss die Hütte hier irgendwo sein. Ich deponiere mein Gepäck und mache mich auf die Suche. Zwischen zwei Erhebungen öffnet sich mir der Blick in die Ebene zwischen dem Massiv des Eggert und dem mächtigen Herdubreid, der nun unmittelbar vor mir liegt. Allerdings sind es bis zu seinem Fuß noch gut 15 km.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Sandiges Wasser schmeckt einfach köstlich</h2>



<p>Endlich sehe ich die Hütte. In ca. 1 km Entfernung hebt sich
das helle Blechdach deutlich von dem dunklen Hintergrund ab. Ich laufe zurück,
nehme meinen Rucksack auf und gehe, nein ich laufe der Hütte und hoffentlich
dem ersehnten Nass entgegen.</p>



<p>Beim Näherkommen erkenne ich unter der Dachrinne neben der
Tür zwei Plastikkanister. Ich laufe schneller, erreiche die Hütte. Und dann der
Schock! Leer! Doch die Erleichterung folgt auf dem Fuß. In der Nähe befindet
sich ein kleiner verschlammter Bachlauf.</p>



<p>Eine zentnerschwere Last fällt von mir ab. Wie ein
Verdurstender werfe ich mich mit dem Oberkörper ins schlammige Nass und trinke
gierig. Egal, dass ich dabei fast mehr Sand schlucke als Wasser. Das lauwarme,
sandige und faulig schmeckende Wasser läuft die Kehle hinunter – einfach
herrlich!</p>



<p>Heute genieße ich, begleitet von einem wunderschönen Sonnenuntergang, das Abendessen ganz besonders. Im Vergleich zu dem was hinter mir liegt, wird die morgige Etappe ein Kinderspiel werden.<br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Geschafft &#8211; die Lavawüste liegt hinter mir</h2>



<p>Ausgepumpt aber glücklich erreiche ich am nächsten Tag Herdubreidalindir, eine kleine Oase an der Piste zur Askja. Ich bin überglücklich und verspüre eine tiefe innere Ruhe und Zufriedenheit. Die Wüste der Missetäter hatte mich gepackt und über Monate mein Denken bestimmt. Die Odadahraun hat mich gequält und sie hat mir unheimlich viel gegeben. Eine tiefe innere Zufriedenheit, spontane Glücksgefühle und ein intensives Gefühl der Erfüllung. Deswegen breche ich wahrscheinlich immer wieder auf.</p>



<p>Jetzt liegt sie hinter mir. Wie ein letzter Gruß, schickt sie noch einmal schwarze Sandwolken hinunter ins weite Tal des Flusses Jökulsa a‘ Fjöllum. Und eines weiß ich ganz sicher, die Odadahraun Wüste wird mir &#8211; trotz aller Leiden und Qualen &#8211; in bester Erinnerung bleiben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/island-odadahraun-wueste-durchquerung/">Island extrem: Alleine zu Fuß durch die größte Lavawüste der Erde</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
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		<title>Faltboot-Abenteuer an Alaska&#8217;s Westküste</title>
		<link>https://hieronimus.com/alaska-faltboot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 07:49:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fotos und Bericht in Kürze</p>
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<p>Fotos und Bericht in Kürze</p>
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		<title>1000 Kilometer unterwegs mit dem Faltboot auf dem Yukon</title>
		<link>https://hieronimus.com/yukon-faltboot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 07:30:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
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<p>Bericht und Fotos in Kürze</p>
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		<title>Paddelabenteuer an der Westküste Grönlands</title>
		<link>https://hieronimus.com/westkueste-groenland-faltboot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 07:16:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
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<p>Bericht und Fotos in Kürze</p>
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		<title>Mein Meditations-Abenteuer in Myanmar</title>
		<link>https://hieronimus.com/meditation-myanmar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 06:58:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/meditation-myanmar/">Mein Meditations-Abenteuer in Myanmar</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
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<p>Bericht und Bilder in Kürze</p>
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		<title>Blockhüttenabenteur &#8211; Ein Winter am Yukon</title>
		<link>https://hieronimus.com/blockhuettenabenteur-ein-winter-am-yukon/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stefan Hieronimus]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Mar 2024 06:52:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Abenteuer & Expeditionen]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://hieronimus.com/blockhuettenabenteur-ein-winter-am-yukon/">Blockhüttenabenteur &#8211; Ein Winter am Yukon</a> erschien zuerst auf <a href="https://hieronimus.com">Stefan Hieronimus</a>.</p>
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<p>Text und Fotos in Kürze</p>
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